Markus Hof

Aktiver und passiver Wortschatz

Wie allgemein bekannt ist, gibt es den aktiven Wortschatz eines Menschen und den passiven. Der aktive beinhaltet die Worte, die man selbst sagt und verwendet, wenn man eben spricht oder schreibt. Der passive oder auch rezeptive Wortschatz wird von den Worten gebildet, die man nicht selbst sagt, aber entweder versteht oder sich erschließen kann.

Ein Wort, das mir heute über den Weg lief, gehört mit sehr großer Sicherheit zum passiven Wortschatz der allermeisten Leser dieses Beitrages: Das Wort ist „Verböserung“.

Nun springt der Jurist aus dem Sessel und schreit förmlich: „Reformatio in peius!“, oder aber auch nicht und liest genüsslich weiter.

Damit das Wort vielleicht auch bei den Nicht-Juristen im Hinterkopf bleibt, möchte ich es ganz kurz erklären.

Es ist – wie gesagt – ein Begriff aus der Sprache der Juristen. Zusammengefasst bedeutet er, dass sich nachträglich etwas zum Schlechteren wenden kann. Dies kann passieren, wenn man beispielsweise Widerspruch gegen einen Verwaltungsakt – zum Beispiel eine Steuerfestsetzung – einlegt. Oder, wenn man gegen ein Urteil Berufung oder Revision einlegt. Dabei jedoch gibt es zumindest im Zivil- und Strafrecht sehr genau abgegrenzte Bedingungen, dass die Verböserung überhaupt eintreten darf.

Bei den Widersprüchen gegen Verwaltungsakte ist das nicht ganz so streng geregelt. Allerdings muss man sagen, dass auch dabei allerhand Kriterien abzuprüfen sind, bevor es dann soweit kommt, dass die Verböserung einen heimsucht.

Eine schicke Übersicht über die juristischen Zusammenhänge gibt eine Grafik aus „Gablers Wirtschaftslexikon“. Wer es genau wissen möchte, findet die Mindmap hier.

Jedoch bleibt festzuhalten, finde ich, dass man durchaus dieses Wort auch im Alttag verwenden kann. Für mich steht es ab heute in einer Reihe mit „Remmidemmi“, „Fisimatenten“ und „Kokolores“. Und auch wenn der Einsatz außerhalb der Juristerei nicht ganz korrekt ist, einen sprachlichen Zwischenton setzt es allemal.


 

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