Markus Hof

Apotheken und der Versandhandel

Als ich den folgenden Artikel auf heise.de kürzlich gelesen habe, musste ich an mich halten, um nicht zu explodieren.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Aerger-um-Apothekenversandhandel-DocMorris-gibt-nicht-auf-3590864.html

Es geht dort zwar primär um eine Art „Automatenapotheke“, indirekt damit aber auch darum, wie manche Apotheken in Deutschland sich weigern, sich Fortschritt und Wettbewerb zu stellen.

Vorweg: Ich schätze sehr die Aufgaben, die eine Apotheke wahrnimmt. Und das ist aus meiner Sicht neben der Versorgung mit Medikamenten natürlich die Beratung. Beratung in einem sicherlich vertrackten Umfeld, die eine fundierte Basis an Wissen und Erfahrung benötigt. Das verstehe ich und bin ich auch bereit, entsprechend zu honorieren. Persönlich bin ich niemand, der bei Versandapotheken bestellt hat, nur um Geld zu sparen – zumal es in meiner Umgebung viele Apotheken gibt.

Diese schießen sich allerdings auch gerne mal ins Aus. Zum Beispiel habe ich es nun zum dritten Mal erlebt, dass ich Medikamente kaufen wollte und mir dazu eine Apotheke aussuchte, die den Aufkleber im Fenster hatte, dass sie Kreditkarte akzeptiere. Bei jedem Bezahlen wurde ich darauf hingewiesen, dass das ja „so teuer“ sei und dass das „eigentlich bei rezeptpflichtigen Arzneien nicht geht“. Einmal ging ich dann auch einfach raus, als der Apotheker meinte, dass könne er nicht machen – so viel Geld wäre da weg. Nunja, dann lasse ich mein Geld eben woanders. War noch mehr Geld weg.

Ich hatte etwas Sorge, dass die Transaktionsgebühren vielleicht bei Apotheken deutlich höher liegen als bei anderen Branchen. Wie ich jedoch von „Insidern“ erfahren konnte, liegen die durchaus in einem annehmbaren Bereich.

Und um ehrlich zu sein: Es steht jedem frei, Kreditkarten zu akzeptieren. Meines Wissens nach gibt es dazu keinen Zwang. Wenn also jemand meint, er muss diesen Aufkleber in sein Schaufenster hängen, dann soll er bitte auch nicht jammern und durch das Jammern versuchen, „Druck“ auf seine Kunden aufzubauen. Er sollte dann besser einfach den Aufkleber entfernen und konsequent die Annahme dieses Zahlungsmittels verweigern.

Wozu führt das aktuell bei mir? Nun, ganz einfach. Ich will mir das nicht mehr geben und werde ab sofort bei Versandapotheken bestellen. Die sind auch recht flott mit der Lieferung und wenn man sich die PZN aufschreibt, dann findet man auch recht schnell, was man sucht. Und am Ende jammert keiner, wenn man bezahlen möchte über die Art und Weise, *wie* man das tun möchte.

Und nun lese ich in dem oben genannten Artikel, dass der Gesundheitsminister des Bundes, Herr Gröhe, Versandhandel mit Arzneimitteln verbieten möchte. Der Grund dafür liegt u.a. in einem Urteil des EuGH, der Versandapotheken – verkürzt zusammengefasst – erlaubte, Rabatte auch auf verschreibungspflichtige Medikamente zu gewähren.

Neben der – auch im verlinkten Bericht erwähnten – großen Wahrscheinlichkeit, dass der EuGH auch dieses Gesetz kippen würde, ist es meiner Meinung nach schlichtweg eine Unverschämtheit, wie  der Minister sich anmaßt, ihm nicht passende Urteile einfach durch neue Gesetze zu umgehen.

Aber das Allerschlimmste: Er scheint wirklich ein Gesetz machen zu wollen, dass in den freien Wettbewerb eingreift. Politik kann das aber nicht. In den meisten Fällen scheitern Politiker kläglich, wenn sie in irgendeiner Form versuchen, die freie Wirtschaft „zu gestalten“. Mir jedenfalls fällt adhoc kein positives Beispiel ein.

Umso schlimmer, dass es immer wieder Politiker gibt, die es versuchen wollen. Leider ist Herr Gröhe sicherlich nicht den Menschen zuzuordnen, die extrem tolerant oder lernfähig sind; daher könnte ich mir vorstellen, dass er ernsthaft versucht, so ein Gesetz durchzuboxen. Das gilt dann ein paar Momente, bis es vor dem EuGH scheitert. Eine Klage wird dort sicherlich schnell eingereicht werden.

Dabei könnten doch auch die stationären Apotheken einfach mal versuchen, auch die Klientel anzusprechen, die eher den Versandapotheken zugeneigt ist. Indem sie einen guten, besseren Kundendienst anbieten, gute Beratung, sinnvolle Ergänzungen (up- und crossselling), ein gut sortiertes Lager und manchmal eine kostenlose Lieferung nach Hause. Eben all das, was man nicht bekommt – zumindest nicht in der entsprechenden Qualität – wenn man online bestellt.

Letztlich muss man sich doch in der heutigen Zeit daran anpassen, was die Kunden möchten. Dabei ist es egal, ob man online oder offline verkauft. Wichtig ist, dass man zufriedene Kunden hat, die öfter mal wiederkommen. Und ich denke, es hilft nicht, wenn man Kunden beim Bezahlen ein schlechtes Gewissen macht und sich ansonsten drauf verlässt, dass die Politik einem schon hilft.

Das wird auf Dauer das Geschäft nicht aufrecht erhalten. Darüber sollte jeder Geschäftsbetreiber (egal, ob Apotheke oder etwas anderes) einfach mal nachdenken…


 

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