Markus Hof

Buchbesprechung*: „Das Hohe Haus“ von Roger Willemsen

Das Hohe Haus

„Das Hohe Haus“ von Roger Willemsen, ISBN: 978-3-596-19810-8, Foto: Markus Hof

Es war mal ein interessantes Experiment. Ich besuchte eine Lesung bevor ich mich näher mit dem Buch beschäftigt habe. Das einzige, was ich wusste, war, dass Roger Willemsen ein Jahr lang die Besuchertribüne im Deutschen Bundestag drückte und seine Eindrücke aufschrieb. Da ich Roger Willemsen sehr schätze und sowohl seinen Schreib- wie auch Redestil ausgesprochen gut finde, hatte ich mich schnell entschlossen, als ich gefragt wurde, ob ich mitgehen wollte.

Die Lesung war – erwartungsgemäß – kurzweilig. Bemerkenswert fand ich vor allem, dass es ja fast schon ein kleines Hörspiel wurde. Annette Schiedeck und Jens-Uwe Krause ergänzten Willemsen perfekt und die Formulierungen der Beobachtungen von Roger Willemsen waren auf den Punkt gebracht und durchaus erheiternd.

Etwas später kaufte ich mir dann das Buch – aber konnte mich erstmal nicht sehr motivieren, es zu lesen. So kam es, dass es dann erstmal zur Seite gelegt wurde und mir erst wieder in den Sinn kam, als Roger Willemsen leider verstarb. Aber auch dann ergab es sich nicht und so blieb es lange liegen, bis ich nun endlich vor Kurzem den Entschluss und das Buch fasste und es recht schnell durchlas.

Dabei sind mir im Grunde zwei Dinge aufgefallen. Zum einen das es ein wirklich lesenswertes Buch ist. Und zum anderen das es wohl so war, dass in der Lesung auch wirklich die allerbesten Szenen vorgestellt wurden. Und ich finde die Idee, sich ein ganzes Jahr lang jede Bundestagssitzung anzusehen wirklich interessant. Ich glaube, da muss man auch einiges an „schlimmen Dingen“ ertragen. Nun gut, aber nun zum Buch an sich.

Willemsen stellt die Sitzungen chronologisch dar, leitet meist den Bericht über jeden Sitzungstag mit den Schlagzeilen des Tages ein. Das ist eine nette Idee, macht es doch die Einordnung für den Leser deutlich leichter als wenn nur das nackte Datum dort stünde. Und Willemsen weiß die Sachen – wie bei ihm gewohnt – treffsicher und wundervoll formuliert auf den Punkt zu bringen. Er entlarvt die politische Sprache, er zeigt auf, was die Leute da eigentlich von sich geben. Dabei ist es für den Lesegenuss wirklich egal, ob es um politisch interessante oder trockene Themen geht.

Auch scheut Willemsen sich nicht, seine, durch das Auftreten und die Art und Weise der Rede der Abgeordneten untermauerte, Einschätzung locker und manchmal sehr entlarvend auf den Punkt zu bringen. Allerdings wird auch das durch den sehr angenehmen Schreibstil und das überlegene Spielen mit Worten und Formulierungen nicht zu einem Politikerbashing sondern eher zu einer Betrachtung des politischen Spektakels durch die Brille eines Intellektuellen. Dieses Zusammentreffen macht meiner Meinung nach auch den Reiz des Buches aus. Es hat etwas von einem Bericht über den Besuch eines Zoos und das Beschreiben, welch tolle und exotisch komische Tiere man doch gesehen hat.

Zum Ende des Buches hin wurde es mir jedoch etwas langatmig. Zwar blieb das Vergnügen des Lesens sehr spitzer und schonungsloser Worte, jedoch war das dann auch schon alles. Mir kam es gefühlt wie Wiederholungen vor, auch wenn sie das natürlich faktisch nicht waren. So floss es eher zäh zum Buchende hin. Und um es ehrlich zu sagen: hätte das Buch mehr Seiten gehabt, so hätte ich mich wahrscheinlich sogar zwingen müssen, es zu Ende zu lesen. Aber es war ja dann kurz genug. Aber es kann natürlich auch sein, dass dieser Umstand einfach dem eben in weiten Teilen auch recht langweiligem Politikbetrieb geschuldet ist.

Zusammenfassend ist mein Urteil: ein typischer und wirklich lesenswerter Willemsen – allerdings nicht sein bestes Werk.


* Erklärung zu der Rubrik “Buchbesprechung”:

Ich habe diese Rubrik mit Absicht nicht Buchkritik oder Literaturbeurteilung oder so etwas in diese Richtung genannt. Denn ich erhebe nicht den Anspruch, ein Buch in Gänze zu beurteilen und ich maße mir nicht an, zu verstehen und auch noch korrekt widergeben zu können, was Autoren sagen wollten und schon gar nicht, dies auch noch zu bewerten. Weder positiv noch negativ. Ich schreibe etwas darüber, was mir bei bestimmten Büchern aufgefallen ist und wie ich das sehe. Das können mehrere Aspekte sein oder nur einer. Vielleicht auch nur ein Nebensatz.


 

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