Markus Hof

Buchbesprechung*: „Was ich noch sagen wollte“ von Helmut Schmidt

"Was ich noch sagen wollte" von Helmut Schmidt. ISBN: 978-3-570-55284-1, Foto: Markus Hof

„Was ich noch sagen wollte“ von Helmut Schmidt. ISBN: 978-3-570-55284-1, Foto: Markus Hof

Wer mich etwas kennt, weiß um mein Interesse an Helmut Schmidt. Und so gar nicht zu diesem Interesse passt, dass ich bis vor kurzem keines seiner Bücher gelesen habe.

Das habe ich nachgeholt und mit seinem letzten Buch begonnen. Das trägt den Titel „Was ich noch sagen wollte“. Um ehrlich zu sein, überlegte ich, mit einem anderen Buch mein Aufholen zu beginnen. Allerdings entschied ich mich dagegen, ohne besonderen Grund – und so kaufte ich genanntes Buch.

Es ist wunderbar zu lesen, auch durchaus – was ich bei Schmidt nicht vermutet hätte – als Lektüre vor dem Einschlafen. Und damit meine ich nicht, dass es ermüdend ist. Sondern dass es gut und flüssig geschrieben ist und die Themen verständlich aufbereitet dem Leser darbietet. Das ist eine Kunst, die viele Schreiberlinge sich abschauen könnten, meiner Meinung nach.

Helmut Schmidt greift das Thema „Vorbild“ auf und beschreibt in mehreren Kapiteln, wen er als Vorbild sieht und wen nicht. Interessant hierbei ist, dass es nicht immer die offensichtlichen Beweggründe sind, die Schmidt anführt. Daneben gibt Helmut Schmidt durchaus Einblicke in sein Privatleben, die ich so nicht erwartet hätte. Das gibt dem Werk aus meiner Sicht eine ganz besondere Note.

Bücher dieser Art haben nach meiner Erfahrung oft Längen, die man überbrücken muss als Leser. Je nach Art dieser Längen, kann das dazu führen, dass man das Buch weglegt und nicht mehr zu Ende liest. Dies ist im vorliegenden Buch nicht der Fall, finde ich. Zwar gibt es vereinzelt etwas abschweifende Abhandlungen. Jedoch sind diese nicht besonders umfangreich und werden durch den Gesamteindruck mehr als wettgemacht. An vielen Stellen, so ging es mir, wird der Leser geradezu dazu gezwungen, über seine eigene Einstellung zu diesem oder jenem Thema nachzudenken.

Beispielsweise sieht Schmidt Marc Aurel als für ihn besonders prägend bei den Themen „innere Gelassenheit“ und „Pflichtbewusstsein“ an. Die Verknüpfung zu konkreten und bekannten Situationen im Leben des Helmut Schmidt, in diesem Falle der Entführung der Lufthansa-Maschine nach Mogadischu, machen seine Ausführungen besonders eindrücklich und nachvollziehbar. Ein sehr guter Anknüpfungspunkt für eigene Reflexion, wie ich finde. Und solche Stellen gibt es oft.

So kann ich sagen, dass ich dieses Buch im Grunde jedem empfehlen kann, der sich ein wenig mit Helmut Schmidt beschäftigt. Und auch jedem, der sich aufmacht, mehr über diesen Mann, Menschen und Bundeskanzler zu erfahren. Und dazu denke ich: man muss nicht alle Ansichten Schmidts teilen, aber auf jeden Fall ist ein Nachdenken über seine Thesen und Ansichten keine verschwendete Zeit. Und das gilt nicht nur für dieses Buch.


* Erklärung zu der Rubrik “Buchbesprechung”:

Ich habe diese Rubrik mit Absicht nicht Buchkritik oder Literaturbeurteilung oder so etwas in diese Richtung genannt. Denn ich erhebe nicht den Anspruch, ein Buch in Gänze zu beurteilen und ich maße mir nicht an, zu verstehen und auch noch korrekt wiedergeben zu können, was Autoren sagen wollten und schon gar nicht, dies auch noch zu bewerten. Weder positiv noch negativ. Ich schreibe etwas darüber, was mir bei bestimmten Büchern aufgefallen ist und wie ich das sehe. Das können mehrere Aspekte sein oder nur einer. Vielleicht auch nur ein Nebensatz.


 

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