Markus Hof

Buchbesprechung*: „Zwischen zwei Leben“ von Guido Westerwelle mit Dominik Wichmann

"Zwischen zwei Leben" von G. Westerwelle und D. Wichmann, ISBN: 978-3-455-50390-6, Foto: Markus Hof

„Zwischen zwei Leben“ von G. Westerwelle und D. Wichmann, ISBN: 978-3-455-50390-6, Foto: Markus Hof

Es liegt in der Natur der Sache, dass man lebt, wenn man ein Buch schreibt. Der Leser jedoch muss das Buch nicht zwingend mehr zu Lebzeiten des Autors lesen. Zwei sehr banale Sätze, die jedoch bei diesem Buch viel dazu beitragen, es aus einem (wahrscheinlich) ganz anderen Blickwinkel zu betrachten, als es eigentlich gemeint war.

Ich wollte das Buch kaufen, nachdem ich im November des Jahres 2015 mitbekam, dass es veröffentlicht wurde. Ich glaube, es wurde dann Mitte Februar 2016 bis ich es dann auf wirklich gekauft habe. Gelesen habe ich es dann erst kürzlich. Mittlerweile war Guido Westerwelle verstorben.

Was mich an diesem Buch zunächst einmal sehr überrascht hat: es ist ein wirklich persönliches Buch. Nicht pseudo-persönlich, wie man es oft gewöhnt ist – nein, es macht wirklich den Eindruck, dass dort jemand ehrlich und auch sehr klar darlegt, was er empfindet und was er beim Erleben von unschönen Dingen wirklich denkt, spürt und welche Folgen das für ihn selbst, sein Umfeld und das weitere Leben hat.

Außerdem, und auch dies lediglich eine subjektive Wahrnehmung, war ich von der ersten Zeile an gefangen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich glaube, so schnell wie bei diesem Buch habe ich noch nie ein Buch komplett gelesen. Lediglich drei Abende waren dazu nötig. Das spricht sehr dafür, dass es neben der bereits erwähnten Ehrlichkeit auch ein sehr gut geschriebener Text ist. Das ist sicherlich der Einfluss von Dominik Wichmann, der laut Westerwelle das ganze in einen „Erzählstil“ gepackt hat. Und dieser ist sehr gelungen.

Auch, wenn es um die schwere – letztlich tödliche – Erkrankungen an Leukämie von Guido Westerwelle geht, natürlich kommt das Buch nicht ohne politische Rückblenden aus. Die fallen recht unkritisch aus, sind aber auf ihre beschriebene Art interessant zu lesen und geben ein ganz klein wenig Einblick auch in den Außenminister Westerwelle. Das aber wirklich nur am Rande. Im Mittelpunkt steht der private Guido Westerwelle, der private kranke Guido Westerwelle und sein Mann, Michael Mronz.

Westerwelle und Wichmann schrieben dieses Buch nachdem Westerwelle scheinbar seine Leukämie mit einer Stammzellenspende „überstanden“ hatte. Also eine Zeit, wo er berechtigte Hoffnung hatte, dem Sensemann ein Schnippchen geschlagen zu haben. Das ist leider am Ende doch nicht so gewesen.

Gerade vor diesem Hintergrund wirken die Schilderungen von Westerwelle über die schlimme Zeit kurz vor und direkt nach der Spende nochmal deutlicher, nochmal intensiver. Die beschriebenen (bescheidenen) Hochs und Tiefs werden noch plastischer greifbar. Dennoch macht das Buch Mut. Mut, um sein Leben zu kämpfen, eine Krankheit anzunehmen und mit den den Ärzten dagegen anzugehen. Dieser Wille, dieser unbedingte Wille zu leben, wird unheimlich gut beschrieben. Er ist zwischen fast jeder Zeile zu finden.

Aus meiner Sicht ist das Buch eine ganz klare Lese-Empfehlung.

 


* Erklärung zu der Rubrik “Buchbesprechung”:

Ich habe diese Rubrik mit Absicht nicht Buchkritik oder Literaturbeurteilung oder so etwas in diese Richtung genannt. Denn ich erhebe nicht den Anspruch, ein Buch in Gänze zu beurteilen und ich maße mir nicht an, zu verstehen und auch noch korrekt wiedergeben zu können, was Autoren sagen wollten und schon gar nicht, dies auch noch zu bewerten. Weder positiv noch negativ. Ich schreibe etwas darüber, was mir bei bestimmten Büchern aufgefallen ist und wie ich das sehe. Das können mehrere Aspekte sein oder nur einer. Vielleicht auch nur ein Nebensatz.


 

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