Markus Hof

„Dann sind Sie nicht versichert.“

Ich denke, dieses Zitat kennt jeder von uns. Damit möchte uns meist jemand davon abhalten, irgendetwas zu tun oder zu lassen. Mir ist es zuletzt begegnet, als ich eine Rehabilitationsmaßnahme 12 Stunden früher als ursprünglich vorgesehen verlassen wollte. Ich fragte dann zurück: „Welche meiner Versicherungen wird inaktiv? Hausrat? KFZ-Haftpflicht? Kasko?“ Die Antwort blieb – natürlich – aus. Was der Mahnende sagen wollte war wahrscheinlich, dass das Versicherungskonstrukt, welches einen Teilnehmer der Maßnahme „schützt“, dann nicht mehr greift, wenn er sich früher als vorgesehen aus der Obhut entfernt.

Soweit, so gut. Dann wäre es aber natürlich fein, wenn man auf seine Rückfrage eine Antwort bekäme – denn die gab es nicht. Wohl geschuldet der Unwissenheit, welche Versicherungen gerade über einem schweben. Ehrlich gesagt, ich hätte es auch nicht gewusst – aber auch nicht gesagt.

Was ist der Sinn und Zweck einer solchen Aussage? Ich vermute, dass mit solch einer Aussage schlicht und einfach Angst verbreitet werden soll. Und es soll jemand von etwas abgehalten werden. Entweder, etwas zu tun oder etwas zu lassen. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass nicht Deutschland das Land mit der höchsten Versicherungsdurchdringung in Europa ist, wie ich geschätzt hätte. Da liegt Deutschland deutlich hinter Großbritannien, Irland und den Niederlanden auf einem Mittelfeldplatz. Als Versicherungsdurchdringung bezeichnet man übrigens den Anteil der Versicherungsprämien am Bruttoinlandsprodukt.

Das lässt nun verschiedene Sichtweisen zu. Erstens, könnte man sagen, dass die Deutschen wenig Geld für Versicherungen ausgeben. Also weniger Versicherungen haben als die Briten oder Niederländer. Oder aber, dass die Versicherungen in Deutschland schlicht günstiger sind. Man könnte jedoch auch behaupten, also zweitens, dass einfach das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland so viel höher ist, dass die Quote niedriger ist, ob wohl die Deutschen (übermäßig?) gut versichert sind.

Was auch immer nun stimmt. Angst machen soll solch eine Aussage auf jeden Fall. Und das ist ein seit Jahrzehnten (solange höre ich den Spruch schon immer mal wieder) probates Mittel. Viele Menschen lassen sich damit von etwas abhalten. Schade eigentlich. Denn man könnte ja auch einfach mal selbst etwas nachdenken und einfach diese leichte Gegenfrage stellen. Ist das Gegenüber dann kein Polemiker, so wird er schon die Antwort mit Substanz geben können, was denn nun wirklich an Versicherungsschutz wegfällt. Und hier muss man wirklich einmal sagen, dass man wirklich oft „versicherter“ ist, als man denkt. Als Beispiel sei die gesetzliche Unfallversicherung (eingeführt im Jahre 1884) genannt. Dort sind die Folgen von Unfällen abgedeckt, die man im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit erleidet. Und das schöne dabei ist, dass die Versicherungsbeiträge vollständig von den Arbeitgebern gezahlt werden.

Aber letztlich gilt auch beim Thema Versicherungen, was eigentlich immer gilt. Man sollte sich sein eigenes Bild machen, seine eigenen Informationen einholen und nicht dem Geschwätz anderer Leute blind vertrauen. Das meine ich sowohl in Bezug auf eine Aussage, wie eingangs zitiert als auch auf den Umstand bezogen, welche Versicherungen man nun eigentlich benötigt. Und ganz ehrlich glaube ich, dass es deutlich mehr hilft, einmal konzentriert darüber nachzudenken, als jemandem blind zu vertrauen, der beruflich solche Produkte verkauft. Auch, wenn die es nicht immer schlecht machen. Man braucht schon auch eine eigene Meinung dazu, damit man auf einer Ebene darüber sprechen kann. Und mal darüber nachdenken kann ja nun wirklich jeder.

Zu welchen Schlüssen auch immer dann der Einzelne jeweils kommt…


 

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