Markus Hof

Demonstrationen vor der Haustür

Artikel 8 des Grundgesetzes hat zwei Abschnitte und sagt:

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Das ist ein Grundrecht und Grundrechte finde ich gut. Leider sagt Artikel 8 des Grundgesetzes nichts darüber aus, wie man zu Demonstrationen vor seiner Haustüre stehen soll.

Heute nämlich zum dritten oder vierten Mal demonstriert hier die „Kardiga“ (das ist der Karlsruher Ableger der „Pediga“). Was zur Folge hat, dass auch die entsprechenden Gegner eine Kundgebung abhalten. Auf der einen Seite also die Rechten auf der anderen Seite die Linken (ich mache es mir jetzt mal so einfach). Leider aus meinem Blickwinkel auch noch seitenverkehrt, da sind die Rechten auf der linken Seite und umgekehrt. Schwierige Sache also.

Es ist also laut – die komplette Straße ist gesperrt – mal eben rausgehen ist nicht, da laufen direkt vier Polizisten auf Dich zu. Problemlos von der Arbeit nach Hause kam ich nur, weil gerade eine Rangelei war und die Polizisten mich nicht stoppen konnten. Ansonsten muss man immer diskutieren, dass man doch direkt da wohnt. Beim letzten Mal dauerte es fünf Minuten, bis ich meinen Heimweg fortsetzen „durfte“.

Aber nochmal raus, schnell in den Lidl oder zur Tanke? Da muss man wieder argumentieren. Diesmal hatte ich vorgesorgt. Ich musste nicht mehr raus, um etwas zu Essen zu besorgen, genügend Getränke und so weiter. Aber das hatte zur Folge, dass ich den lauten aber durch die geschlossenen Fenster unverständlichen Reden auf der einen und den Trillerpfeifen und Schlachtrufen auf der anderen Seite zuhören musste.

Aus meinem Fenster betrachtet sah es vor der Wohnung so aus:

Polizei sichert Demo

Also recht viel Polizeipräsenz. Ich tippe auf ca. 300 Polizisten. Und finde, das ist eine recht stattliche Zahl.

Warum so viele Polizisten? Weil man Angst hatte, es käme zu Ausschreitungen. Nunja. Ich bin kein Hellseher, aber das wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschehen.

Nun ist mir weder die „Pediga/Kardiga“-Einstellung noch die der Gegendemonstranten besonders nahe, aber es ist schade, dass weder die einen noch die anderen ein Grundrecht friedlich in Anspruch nehmen können. Persönlich kann ich Menschen und Gruppen nicht ernst nehmen, die glauben, sie könnten ihre Ziele und Überzeugungen mit Gewalt durchsetzen. Außerdem wird es dann auch schnell peinlich.

Aber gut, so ist es nun einfach wohl nicht. Die Geschäfte rundherum stöhnen bereits über die Umsatzverluste, die kann ich verstehen – keine angenehme Situation für die Kunden und das auch noch mehrere Wochen hintereinander.

Ich für mich habe viel gelernt durch das gezwungenermaßen sehr intensive und nahe Betrachten von Demo und Gegendemo. Erstens kann man wohl sagen, dass bestimmte Gruppen durchaus gewaltbereiter erscheinen und auftreten als andere; zweitens machen die Jungs und Mädels von der Polizei einen scheinbar guten Job (um den ich sie nicht beneide) und letztlich drittens: meine kleinen persönlichen Unannehmlichkeiten und Einschränkungen nehme ich gerne hin, denn dieser Artikel 8 ist schon was wert.


 

Ein Gedanke zu “Demonstrationen vor der Haustür

  1. Anna Amalia

    Na, da können wir ja eine Selbsthilfegruppe aufmachen oder vielleicht eine Anwohnergegendemo gegen die rechten und linken Gruppen. Mir geht es genauso wie Dir: kein Nachhausekommen, nach dem Einkauf die Postgalerie abgesperrt und man muss seinen Ausweis zeigen, um überhaupt wieder sein eigenes Zuhause aufsuchen zu können.
    Da müssen unsere Rechte gegenüber den Rechten einiger Spinner zurückstehen. Unsere Freiheit hört da auf, wo sich diese armseligen, von Fremden und Änderungen überforderten Menschen ihre eigene Freiheit ohne Rücksicht auf ihre Umgebung einfordern. So bekommen sie die Aufmerksamkeit, die sie unter allen sonstigen Umständen verweigert bekommen, und somit, erzwungenermaßen auch meine. Gilt aber auch für die linken Spinner (auf die die Polizei ja aufpassen muss), die endlich mal wieder glauben, einen Grund gefunden zu haben, irgendjemandem auf’s Maul zu hauen.

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