Markus Hof

Die AFD auf Facebook

Irgendwie gehöre ich immer noch zu den Menschen, die so zwei- bis dreimal die Woche bei Facebook reinschauen und dort einfach mal gucken, was so passiert ist in der „abonnierten Welt“ und bei Freunden. Meistens uninteressant, denn von den Freunden die Neuigkeiten werden immer seltener angezeigt und der Rest ist ja auch oft nichts Weltbewegendes. Da ich aber ein politisch interessierter Mensch bin, habe ich die Beiträge aller im Bundestag vertretenen Parteien abonniert – wohlgemerkt: Ich habe keine Partei mit „gefällt mir“ markiert, nur die Beiträge abonniert. Das bedeutet, ich lese auch Posts der „Alternative für Deutschland (AFD)“.

Natürlich liegt es irgendwie in der Natur der Sache, dass auf Facebook jede Partei für ihre Ziele, Auffassungen und Ideale bzw. Ideologien Werbung macht. Mehr oder weniger subtil, mehr oder weniger schick. Mir fällt zum Beispiel auf, dass die FDP sehr oft mit Grafiken arbeitet, während die LINKE meist viel Text schreibt. Die CDU-Posts sehen so aus, als wären sie von einer Werbeagentur gebaut. Aber alles gut, ich habe schon vor längerem aufgehört, Politik zu bewerten, ich beobachte sie nur noch.

Und kürzlich fiel mir ein Posting der AFD besonders auf.

Ein Posting ging über die Tatsache, dass ein falscher Arzt in einem Krankenhaus gearbeitet hat. Dabei war es der AFD sehr wichtig zu betonen, dass es ein deutsches Krankenhaus war und dass der falsche Arzt aus Libyen kommt. Um es klar zu sagen: Ich bin gegen falsche Ärzte! Ich habe dann mal die Firma Google bemüht, um mehr über falsche Ärzte in (deutschen) Krankenhäusern zu erfahren. Das Ergebnis war, dass der wohl „berühmteste“ falsche Arzt sogar einen Eintrag bei Wikipedia hat – Gerd Postel. Außerdem fand ich in den vergangenen Jahren durchaus mehrere Fälle dieser Art – immer war der Täter oder mutmaßliche Täter ein Deutscher.

Also habe ich per Nachricht bei der AFD angefragt, ob die Straftat nun schlimmer wird, wenn sie durch einen Libyer begangen wird oder ob die AFD auch die gleichen Taten verurteilt, die durch Deutsche begangen wurden und diese auch mal in einem Posting anprangert oder erwähnt. Es kam keine Antwort. Ich habe etwas Ähnliches auch als Kommentar unter dem Posting veröffentlicht. Dann gab es ein paar Antworten, die in die Richtung gingen, dass man sich ja nicht noch zusätzliche Straftaten importieren müsse. Mein Gegenargument, dass etwas Falsches ja nicht richtiger würde, nur weil es der „Richtige“ macht, führte bei einem Kommentarschreiber sogar dazu, dass er mir recht gab.

Aber natürlich war das meiste einfach an der Argumentation vorbei gehende Hetze. Rechtspopulistische, wenn nicht gar rechtsextreme Hetze. Ich habe mir öfter mal die Mühe gemacht, mir die Profile der Leute anzuschauen. Ich werde nicht über Menschen urteilen, denn das steht mir nicht zu. Aber ich denke, es ist okay, wenn ich es zusammenfasse, dass sich diese Profile durchaus ähnlich sind und oft auch eine sehr einfach Art der intellektuellen Auseinandersetzung mit politischen Fragestellungen gemeinsam haben. Und das soll auf gar keinen Fall arrogant sein!

Denn: Es ist eben auch Aufgabe der Politik – und genauso der gesamten Gesellschaft –  alle Menschen mitzunehmen, abzuholen und (wieder) einzusammeln. Das vermisse ich oft in den tagesaktuellen Diskussionen. Die „Politik“ darf nicht an den Menschen vorbei handeln und denken. Und auf gar keinen Fall sollten die anderen Parteien versuchen, der AFD Wähler abzunehmen, in dem sie auf die Themen der AFD setzen. Denn das Problem ist ja nicht die AFD. Das Problem sind populistische und extremistische Meinungen, die sich in Hass und Feindlichkeit gegenüber Minderheiten ausdrücken.

Das zu minimieren sollte doch das Ziel sein. Jedenfalls denke ich das.


 

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