Markus Hof

Die Cloud – Teufelszeug


Es ist schön, mit dem Zug zu fahren. Man muss nicht auf den Verkehr achten, man kommt entspannt an – jedenfalls immer für den Fall, dass alles reibungslos abläuft. Verspätungen sind blöd. Aber ich habe mir angewöhnt, das hinzunehmen, denn ändern kann ich es nicht.

Und so ist es schön, im Zug zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und einfach mal die Augen zu schließen oder etwas auf die Webseite zu stellen.

Gerade wurde es jedoch schwierig.

Eine von sich sehr überzeugte Frau, die als „Marketing Communication Specialst“ arbeitet, begann ein Gespräch mit einem ihr bis dahin unbekannten Mitreisenden, der auch im Bereich „Marketing“ tätig ist. Sie hat ein MacBook, er einen Dell-Laptop.

Man hatte ein Gesprächsthema – die unterschiedlichen „Grundsoftware“, es war wohl das Betriebssystem gemeint. Die gute Dame erklärte dann mal, wie sie so arbeitet, weil sie ist ja Spezialistin. Und sie hat viel zu tun. Und sie muss viele Dokumente schreiben, meist in Word.

Das widerlegt mein Weltbild etwas, denn ich dachte, dass Marketiers eher zu Powerpoint neigen. Aber gut, ich lerne ja gern dazu.

Nun fragt der Mann: „Arbeiten Sie da mit der Cloud?“ Und sie schaut ihn entrüstet an, und verzieht das Gesicht zu einer Fratze: „Natürlich nicht, die Cloud ist nicht benutzbar. So wie man arbeitet, da kommt die mit den Anforderungen nicht mit.“

Sie sagte es so absolut. Der Mann fragte nach. Und sie legte los: „Ja, was ist denn das Masterdokument? Ich muss ja verschiedene Versionen abspeichern und dann wird es da zu voll und unübersichtlich. Und man muss immer online sein. Wer ist schon immer online?“ Getoppt wurde alles von dem Satz: „Wenn ich mal mit dem Flugzeug abstürze, überlebe und auf einer einsamen Insel strande, dann hab ich kein Internet und dann hilft mir das nicht mit der Cloud.“

Recht hat sie – und das hat mir echt zu denken gegeben. Was würde ich denn in diesem Fall machen? Und vor allem: Ist mein MacBook überhaupt wasserdicht?

Kommen wir also mal zurück auf die Cloud und was die Cloud alles nicht kann. Die Sache mit den Versionierungen ist sicherlich schade. Aber soweit ich weiß, kann das sicher nicht „die Cloud“, aber wenn ich es richtig weiß, hat Word (und auch Pages oder andere Schreibprogramme) da etwas, was eigentlich ganz gut klappt.

Womit die resolute Dame recht hat, ist, dass man online sein muss. Allerdings nicht zwingend dauernd. Das von ihr präferierte System ist übrigens, wie sie verriet, dass sie sich selbst Mails schickt. Nun,… ich glaube, um E-Mails zu versenden muss man auch online sein. Und um sie zu empfangen auch. Also ungefähr genauso wie man es für eine sinnvolle Cloudnutzung auch sein müsste.

Tja, und nun haben wir die Aussage mit dem „Masterdokument“. Irgendwie zeigt das – aber das würde sie sich nicht eingestehen – sie hat das Thema „Cloud“ nicht so in Gänze verinnerlicht. Auch hatte ich nicht das Gefühl, das man es ihr irgendwie hätte erklären können.

Sie gehörte eher zu den Menschen, die ihre Meinung haben und die auch so mögen, dass sie sie auf jeden Fall behalten wollen. Komme, was wolle. Fakten hin oder her.

Und so sagte sie dann auch, um das Thema abzuschließen, die Cloud sei einfach nicht durchdacht und nur „Teufelszeug“, mit dem viel Schindluder getrieben werden könne und – da war sie sich dann wieder sicher – auch getrieben wird.

Teufelszeug eben.



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