Markus Hof

Diskretion, bitte!

Jeder kennt dieses Schild mit der Aufschrift „Diskretion – bitte Abstand halten!“, welches gerne in Apotheken steht oder in Banken oder manchmal auch beim Autovermieter. Dort habe ich es schon oft gesehen und es natürlich sowohl verstanden, wie auch respektiert.

Bitte Abstand halten. Diskretion.

Der Klassiker auf dem Tresen: Bitte Abstand halten. Diskretion.

Ein anderer Ort, an dem man dieses Schild gerne mal sieht, sind Arztpraxen. Dort gibt es ja meistens einen Tresen und darauf steht dann solch ein Schild. Gut, nun könnte man sagen, dass diese Beobachtung ja sehr gut zu den oben genannten Institutionen passt. Das ist auch im Grunde richtig, jedoch gibt es einen ganz großen Unterscheid.

Die anderen Geschäfte meinen das auch so und räumen die personenbezogenen Schriftstücke auch weg, bevor der nächste aus der Reihe vortreten darf. In Arztpraxen ist das eher seltener der Fall. So jedenfalls ist meine Beobachtung. Es gilt wahrlich nicht pauschal für jede Arztpraxis – meine Hausärztin zum Beispiel ist ein leuchtendes Beispiel. Immer sehr aufgeräumt und es liegt nie etwas rum.

Ein Gegenbeispiel gab es kürzlich wieder, als ich zu einem Orthopäden ging. Der typische Tresen, das typische Schild. Ich trat vor und sah ein Rezept für Frau Soundso, weiß nun, dass Herr Wieauchimmer bei der AOK versichert ist und – nicht zu vergessen, Herr Ixypsilonzett ist bis Ende der nächsten Woche krank geschrieben. Der arme Mann.

Hätte ich mich angestrengt und meinen Kopf gedreht (oder wäre besser im Lesen von verkehrt herum liegenden Texten), so hätte ich noch viel mehr erfahren können.

Natürlich bringen mir nun diese Informationen nichts. Und natürlich habe ich die Namen auch schon wieder vergessen. Auch die Adressen und Geburtsdaten der Menschen. Aber es ist ja schon so, dass ein solches Verhalten zeigt, wie mit den Daten von Patienten umgegangen wird bzw. wie ernst man den Schutz solcher Daten nimmt.

Gerade vor dem Hintergrund, dass am 25. Mai 2018 die DSGVO in Kraft tritt, ist das besonders bemerkenswert. Und ich befürchte, dass viele Arztpraxen sich aktuell keine bis wenig Gedanken gemacht haben, wie sie damit umgehen. Ich verstehe jegliche Argumentation, die sich drauf beruft, dass Ärzte (und ähnliche Berufsgruppen) schon genug zu tun haben und sich um „sowas“ nicht auch noch kümmern können. Allerdings – und das meine ich bei all meinem Verständnis – finde ich auch, dass es Gesetze und Verordnungen schlicht verdient haben, beachtet zu werden.

Denn wer zieht sonst die Grenze zwischen „beachtenswerten“ und „nicht beachtenswerten“ Gesetzen?

Wie gesagt, meine Hausärztin ist da extrem vorbildlich. Wenn ich dort etwas anfrage, bekomme ich das in der Regel sehr unkompliziert. Als ich sie mal positiv überrascht darauf ansprach, verblüffte sie mich mit der Aussage: „Naja, das sind ja Ihre Daten. Natürlich bekommen Sie die wann immer Sie wollen. Ich habe die ja nicht aus persönlichem Interesse, sondern weil ich die brauche, um meine Arbeit zu machen. Aber die gehören ja schon Ihnen.“

Vielleicht ist der Grund, warum bei ihr auch keine Dinge von anderen Patienten einfach so rumliegen auch der, dass sie drüber nachgedacht hat. Vieles spricht dafür.

Wie auch immer, sicher ein Thema, das uns alle mehr und mehr beschäftigen wird.


 

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