Markus Hof

DSGVO – ohje?!

Ich vermute, dass einige Leser gedacht haben, dass ich viel eher etwas zur DSGVO schreibe.

Aber manchmal bin ich eben unberechenbar. Dennoch ist es dann heute soweit. Und das hat einen guten Grund. Ich habe gestern eine Diskussion verfolgt bzw. verfolgen müssen, die sich um das Thema DSGVO drehte. Wobei der Begriff Diskussion eigentlich falsch ist, eigentlich ging es um den sehr lauten Monolog eines Fahrgastes in der Tram. Sein Begleiter nickte ab und zu – die meiste Zeit war er jedoch sprach- und regungslos.

Besagter Mensch regte sich herrlich darüber auf, dass er gelesen habe, eine Dame aus Bayern dürfe nun beim Metzger nicht mehr mit Namen begrüßt werden. Daraus leitete er ganz viel Schlechtes über die DSGVO ab und sah den Untergang des Abendlandes vorher – und die Welt würde es auch nicht mehr lange machen. Und überhaupt sei das alles doch ein Wahnsinn – früher, und das sagte er wörtlich, war alles besser.

Ich weiß jetzt nicht, welches früher er meinte, aber stellte für mich fest, dass er aktuell sehr unzufrieden ist. Eigentlich wollte ich das Ganze als leichte Berieselung nehmen – dann jedoch wurde es interessant.

Er erläuterte folgende Theorie: Der Friedrich Merz sei nur wegen der DSGVO nicht zum Parteivorsitzenden der CDU gewählt worden. Im übrigen war dies einer der Momente, in dem sein Begleiter etwas Regung zeigte. Was dazu führte, dass der Herr es ausführte.

Die Frau Kramp-Karrenbauer (er sprach es etwas anders aus) sei ja schon in der Partei gewesen. Auch vor der Wahl. Und da hatte sie – natürlich illegal – Zugriff auf alle Mitgliederdaten. Und die hat sie benutzt, um sich ihre Wahl zu sichern. Diese Chance habe Friedrich Merz nicht gehabt. Und der andere (er meinte wohl Herrn Spahn) sei nur als Kandidat aufgestellt worden, damit sie keine absolute Mehrheit bekäme. Das hätte Frau Merkel so gewollt, weil die ja aus dem Osten käme und es deswegen nicht gut gefunden hätte.

Puh, viel und starker Tobac, wie man so schön sagt.

Die Fakten sind, glaube ich, etwas anders. Soweit ich weiß, sind alle drei schon länger in der Partei Mitglied. Zugegebenermaßen war Frau Kramp-Karrenbauer Generalsekretärin. Aber ein Zugriff auf Mitgliederdaten hätte ihr nicht viel gebracht, denn gewählt wurde von Delegierten. Selbst, wenn der Herr diese Daten gemeint hätte, so hätte sie keinen Vorteil gehabt. Denn die Namen der Delegierten waren mehr oder weniger öffentlich – zumindest war bekannt, wer teilnehmen wird. Denn die Delegierten werden gewählt.

Die Annahme, dass sich Jens Spahn aus reinem Gefallen für Frau Merkel hätte aufstellen lassen ist sicherlich nicht zweifelsfrei zu widerlegen. Aber dass man dazu gerade ihn nehmen sollte, wäre doch etwas abstrus. Da wäre doch ein Kandidat wahrscheinlicher, der ihr eher gewogen ist. Und die Gefahr, dass AKK eine absolute Mehrheit bekommt – naja, eventuell hat er sich nicht so richtig mit dem Wahlsystem auseinander gesetzt.

Eigentlich wollte ich dann fragen, was das denn nun alles mit der Metzgerkundin und der DSGVO zu tun habe. Aber ich habe mich einfach nicht getraut. Netterweise hat eine ähnliche Frage der bis dahin stumme Zuhörer gestellt. Leider kurz vor der Haltestelle an der ich aussteigen musste. Deswegen habe ich nur die ersten beiden Sätze mitbekommen: „Du hast nicht zugehört. Das hängt doch alles zusammen. Warum hätte die Merkel sonst die DSGVO erlassen sollen.“

Tja, so schön kann die Welt sein, wenn man seine (krude) These einfach mit der These begründet und eine rhetorische Minifrage anfügt.


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