Markus Hof

eCommerce interessiert uns nicht…

… sagt bestimmt niemand, sollte man denken.

Allerdings habe ich kürzlich immer öfter das Gegenteil erfahren. Beruflich bedingt habe ich mit ein paar Geschäftsbetreibern in Karlsruhe gesprochen und mich dafür interessiert, ob sie bereits im Internet verkaufen bzw. anbieten oder es planen und in welcher Form sie das bereits tun oder tun wollen. Ich war schlichtweg irritiert darüber, wie wenige das tun wollen oder tun – in meiner (nicht repräsentativen) stichprobenartigen „Befragung“ waren es weniger als 25% die es tun und von den verbleibenden weniger als 10%, die es vorhaben.

„Was ist da los?“,  habe ich gedacht. Die Gründe für die Verweigerung des Internets als weiteren Vertriebskanal oder als Kanal zur Steigerung der Bekanntheit, der Kundenbindung, etc. sind jedoch meist lapidar und profan. Hauptsächlich: „ich kenne mich damit nicht aus“, „ich hab so schon genug zu tun“ und ein sehr treffender Kommentar: „Warum soll ich es so kompliziert machen? Ich habe hier meinen Laden und das reicht doch völlig aus – außerdem sehe ich meine Kunden gerne, da weiß ich immer, was Sache ist.“

Nun könnte man denken und schreiben, dass die doch spinnen, die Karlsruher. Aber hätte ich das gewollt, wäre das sicherlich die Überschrift dieses Artikels geworden. Nur finde ich das alles gar nicht spinnert. Denn die waren alle im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und haben darüber nachgedacht, warum sie etwas bewusst nicht machen wollen. Und ganz ehrlich, ich finde auch nicht, dass jeder etwas „mit eCommerce“ machen sollte, nur damit er oder sie es macht. Gerade bei einem bestehendem Laden in einer Innenstadtlage, die okay ist, muss ich nicht auf Gedeih und Verderb etwas Neues anfangen, wenn das alte doch gut läuft. Letztlich kostet es auch Zeit, ein vernünftiges eCommerce-Business aufzubauen und wenn da jemand der Meinung ist, diese Zeit kann er anders sinnvoller nutzen, dann wird er das besser wissen, als jemand, der von außen nur drauf schaut.

Natürlich kann man jetzt auch mahnen und sagen, dass diese Geschäftsleute nun nicht mit der Zeit gehen und dann irgendwann den Anschluss verpassen oder verpasst haben. Das ist auch eine valide Möglichkeit. Den Eindruck jedoch, dass sie ihr Geschäft nicht zu 100% im Griff haben, machte mir keiner der Gesprächspartner. Ich denke, dass diese Auseinandersetzung bei allen sehr bewusst geführt wurde und die Abwägung wohl überlegt ist.

Hinzu kommt, dass ich kürzlich gelesen habe, dass auch die Drogeriemarktkette Rossmann sagt, dass sie den Onlinehandel sehr skeptisch sieht. Der Inhaber, Dirk Rossmann, sagt, der Handel über das Internet sei weiterhin defizitär und die Margen sehr niedrig. Und auch Alain Caparros, seines Zeichens der REWE-Chef, meint: „Online hat nur einen Sinn für uns, wenn der stationäre Handel profitiert. Rein Online interessiert uns nicht.“ Na, das sind doch auch mal zwei klare Aussagen von Firmen, die jetzt nicht unbedingt als kleine, unvisionäre Klitschen gelten.

Ich denke, jeder, der ein Geschäft betreibt sollte sich darüber ernsthaft Gedanken machen, ob es in irgendeiner Form sinnvoll für das Geschäft ist, eCommerce-Aktivitäten zu starten. Aber die Entscheidung sollten Außenstehende nicht besserwisserisch kommentieren. Ob man *jetzt* startet oder nicht ist aus meiner Sicht auch gar nicht das Entscheidende. Ich glaube, dass das Allerwichtigste ist, den Start nicht verpassen, wenn er geboten wäre. Der richtige Zeitpunkt zum Start ist entscheidend und der muss eben nicht sofort sein.

Und wenn man sieht, dass selbst die Drogerie Rossmann es besser sein lassen würde, dann steigt auch mein Verständnis für viele Geschäftsbesitzer, die es aktuell noch bleiben lassen.


 

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