Markus Hof

Ein neues Wort: „entfreunden“

Das Wort „entfreunden“ als Verb gibt es wohl mittlerweile. Es steht dafür, dass jemand in einem sozialen Netzwerk einen anderen nicht mehr in seiner Freundesliste führen möchte. Meistens bei Facebook – daher zumindest kenne ich das Wort.
Sicherlich ist das auch bei XING oder LinkedIn möglich, aber es könnte sein, dass man es dort anders bezeichnet. Wie auch immer. Ich bleibe bei meiner folgenden Fragestellung mal beim Marktführer.
Einer der komischsten Beiträge auf Facebook, die ich in der letzten Zeit las, war einer, in dem ein Facebooknutzer eine recht krude These über die AfD aufstellte. Leider weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr, aber ich hatte den Eindruck, sie sei (absichtlich) provokant formuliert. Entsprechend entwickelten sich die Kommentare – und der Ersteller des Posts schrieb in denselben, er könne ja nun endlich anhand der politischen Tendenz in den Kommentaren anderer Nutzer, bislang „Freunde“, aus seiner Freundesliste streichen.
Nun bin auch ich der Meinung, dass die AfD keine Partei ist, die ich wählen würde oder der ich zutrauen würde, auch nur die kleinsten (politischen) Probleme unseres Landes zu lösen. Außerdem ist meine Meinung, dass die AfD zu weit rechts steht und rassistische Thesen vertritt.

Ich denke, diese Meinung kann man sich bilden und sie ist nicht unbedingt meilenweit von der Realität entfernt.

Das dies andere Menschen anders sehen – ja, das kann sein. Deswegen verurteile ich (persönlich) jedoch keinen Menschen. Ich spreche mit diesen Menschen und versuche ihnen meine Meinung und meinen Standpunkt zunächst zu erklären und – wenn möglich – auch näher zu bringen.

Das mache ich aus zweierlei Gründen. Zum einen interessiert mich, warum sie einer solchen Partei anhängen. Ich möchte verstehen, was sie bewegt und welche Erwartungen bei ihnen vorherrschen. Und zum anderen möchte ich, dass die Menschen meinen Standpunkt verstehen, zumindest nachvollziehen können. Eventuell denken sie mal drüber nach. Ja, das ist manchmal sehr schwer. Und manchmal gelingt es auch gar nicht.

Das alles kann ich aber nur machen, wenn ich mit den Leuten spreche, wenn ich kommuniziere und wenn ich mich (zum Teil) auf die Leute einlasse.
Durch „entfreunden“ bestrafe ich diese Menschen weder noch nutze ich die Möglichkeit, mit ihnen zu diskutieren.

Klar kann man sagen, dass das gar nicht die Aufgabe des „normalen“ Bürgers sei – das sei Aufgabe der Politik. Richtig, es ist Aufgabe der Politiker – aber genauso haben wir alle eine Verantwortung; und die sollten wir gerade bei solche heiklen Themen unbedingt ernst und wahr nehmen.

Daher ist es extrem ärgerlich, wenn Politiker sich weigern (siehe dazu: Malu mag nicht mit jedem sprechen…), mit Parteien wie der AfD gemeinsam aufzutreten oder in Diskurs zu gehen. Sozusagen ein „Entfreunden“ auf politische Art und Weise.

Das ist deren Job – und wenn sie ihren Job nicht oder nur schlecht machen, so kommen dann solche Parteien in die Parlamente.
Eigentlich wäre das schlimm genug, aber zumindest dann muss sich auch die „politische Klasse“ mit ihnen auseinander setzen.

Und das klappt ja zumeist ganz gut. Die extremen Parteien sind selten länger als eine Legislaturperiode in irgendwelchen Landtagen. Von daher scheint es ja auch wirklich möglich zu sein, Parteien wie die AfD zu stellen und zu entlarven. Aber es muss ja nicht immer so weit kommen, dass die erst gewählt werden müssen.

Auch, wenn unser Land das wohl ganz gut aushält. Ist ja auch etwas wert. Finde ich.


 

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