Markus Hof

Eine andere Meinung

Ich habe kürzlich darüber geschrieben, wie wichtig mir ist, dass man Menschen nicht in Richtung „schweigende Mehrheit“ drückt, weil man sie in eine (rechte oder linke) Ecke stellt – statt mit ihnen zu diskutieren und die jeweilige Meinung sachlich auseinander zu nehmen. Sie also, wenn man so will, stigmatisiert und oft der Lächerlichkeit preis gibt und als „die Rechten“ oder „die Linken“ und so weiter eben in ein (schlechtes) Schema presst. Mit der beschriebenen Folge, dass diese Leute ihre Meinung nicht mehr aussprechen und sich diesem Gebaren aussetzen – sondern den Mund halten und in der Anonymität der Wahlkabine ihre Meinung kundtun.

Damit hat man dann zum Beispiel solche Phänomene wie Trump und die hohe Anzahl Stimmen für die AfD.

Heute las ich folgenden Artikel in der „Zeit online“: http://www.zeit.de/kultur/2016-11/political-correctness-uebertreiben-kiyaks-deutschstunde/komplettansicht

Die Kolumnistin vertritt augenscheinlich eine andere Meinung als ich. Das ist auch okay, denn ich gönne jedem seine Meinung. Interessant finde ich jedoch folgende Dinge.

Zum einen beginnt sie ihren Beitrag damit, dass sie sich gegen die Abschaffung der „political correctness“ wehrt und die drei von ihr angeführten Politiker damit als „undemokratisch“, „asozial“ und „unverschämt“ bezeichnet. Nun, sicherlich nicht das Schlimmste, was sich der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, die Bundesverteidigungsministerin und der SPD-Bundesvorsitzende jemals anhören mussten. Das ist schonmal eine starke Einleitung und spielt sicherlich auch dem weiteren Verlauf ihres Textes in die Karten – jedoch: es ist schlichtweg falsch. Es ist falsch, dass diese drei die „political correctness“ abschaffen wollen – sowohl Frau von der Leyen, wie auch die Herren Kretschmann und Gabriel haben davon gesprochen. Sie alle sprachen lediglich davon, dass man es nicht „übertreiben“ solle. Sicherlich ein Unterschied. Vielleicht ein kleiner, aber immerhin.

Und auch wenn diese drei gestandenen Politiker das Geschriebene wenig kratzt: Frau Kiyak macht genau das, was ich beschrieben habe: sie stellt diese Leute in eine Ecke. In die Ecke der Nicht-Demokraten mindestens. Und dabei schreibt sie selber im weiteren Text, dass die gar nicht über eine Abschaffung sprachen. Aber trotzdem: erstmal die Keule rausholen und kräftig schwingen. So ist der richtige Ton erstmal getroffen und hallt nach. Was auch immer die Autorin für den richtigen Ton hält.

Außerdem finde ich recht interessant, was Frau Kiyak in den letzten drei Absätzen an Schlussfolgerungen parat hat.

Zunächst einmal formuliert sie, es sei nicht angebracht über Probleme bei der Integration (von Ausländern) zu sprechen, wenn gleichzeitig Angriffe auf Asylbewerberheime und Angriffe auf Minderheiten stattfinden. Um es klarzustellen: ich finde es widerwärtig, wenn Menschen andere Menschen angreifen, verletzen oder gar töten – und auch die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünte finde ich schrecklich. Aber ganz ehrlich – wie arrogant und selbstherrlich muss man sein, um das als Anlass zu nehmen, solch einen zynischen Satz zu formulieren? So schlimm diese Übergriffe sind, zeigen sie nicht gerade, dass es anscheinend echte Probleme gibt? Und sollten diese nicht besser angesprochen werden und wäre es nicht klasse, durch Diskussionen und Überzeugungsarbeit eben genau solche Vorkommnisse zu verhindern?
Eine reichlich engstirnige und arrogante Ansicht, die Frau Kiyak dort vorträgt.

Und letztlich fordert Frau Kiyak, es müsse „jemand“ auf den Tisch hauen und sagen: „Schluss mit dem ekelhaften, dummen und unaufgeklärten Geschwätz über die Fremden, die Ausländer, Schwulen, Muslime oder Flüchtlinge.“

Damit sagt sie nichts anderes als dass es toll wäre, es gäbe eine Instanz, die Leuten, die nicht so denken wie Frau Kiyak das Reden verbieten würde. Ein für mich recht irritierendes Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit.

Ganz ehrlich, Frau Kiyak sollte genau mit diesen Menschen, die solche Ansichten äußern, sprechen und sie mit Argumenten davon überzeugen, dass sie auf dem Holzweg sind.

Inhaltlich teile ich die Meinung von Frau Kiyak durchaus; auch ich finde es nicht gut, wenn jemand polemisch und wie sie es formuliert mit „dummen und unaufgeklärten Geschwätz“ über Fremde, Homosexuelle oder welche Minderheit auch immer herzieht. Das finde ich sogar extrem nervend und wirklich unangenehm. Aber so arrogant, dass ich den jeweiligen Menschen das Recht auf ihre eigene Meinung absprechen möchte wie Frau Kiyak es gerne möchte, bin ich dann wirklich nicht. Ich finde, jeder darf seine Meinung haben und aussprechen, auch wenn sie nicht meiner Meinung entspricht – das scheint Frau Kiyak ja nicht so toll zu finden. das sollte lieber jemand „auf den Tisch hauen“.

Ich nehme es eher ernst und versuche – und es gelingt nicht immer – den Leuten zu erklären, warum ich eine andere Meinung habe und versuche sie zu überzeugen, ihre Meinung zu überdenken.

Aber eben jeder, wie er mag und vor allem: wie er kann….


 

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