Markus Hof

Erinnert sich noch jemand an….. Karstadt?

Für alle, die es nicht mehr wissen: „Karstadt“ ist eine Kaufhaus-Kette, die vor allem in den 60er- bis 90er-Jahren des letzten Jahrtausends in den meisten größeren Städten in Deutschland nahezu lückenlos vertreten war.

Das hat sich nun etwas geändert. Ohne es genau zu wissen behaupte ich, dass eine deutliche Anzahl an Filialen abgebaut wurde; Anfang der 2000er-Jahre gab es dann die Arcandor-Insolvenz (so hieß die Holding mittlerweile) und „Karstadt“ wurde dann von einem schwedischen Investor aufgekauft, zwischendrin mal Teile weiterverkauft und – nunja – letztlich gibt es wohl immer noch ein paar Filialen, die sich über Deutschland verteilen.

Eigentlich finde ich sowas immer schade: eine Gründergeneration baut ein Unternehmen auf, rackert sich ab und trifft (scheinbar oft) gute, wegweisende Entscheidungen. Dann kommt die nächste Generation und es wird versucht, das Bestehende fortzusetzen, gut drauf aufzupassen und es etwas größer zu machen. Man geht behutsam mit dem Unternehmen um. Irgendwann jedoch kommt die dritte oder vierte Generation und möchte expandieren, Dinge nun so machen, „wie man sie heutzutage macht“ usw. Oft hat das dann zur Folge, dass es Unternehmen so ergeht, wie ich es oben im Fall „Karstadt“ beschrieben habe. Wie gesagt, das finde ich schade.

An dieser Stelle mag sich der geneigte Leser fragen, was diese Einleitung soll. Eine, wie ich finde, berechtigte Frage. Im Grunde geht es um nicht mehr – aber auch nicht weniger – als um meinen kürzlichen Einkauf bei „Karstadt“ in Karlsruhe. Dort gibt es noch eine Filiale. In guter Lage, an altbekannter Stelle. Ich ging also einkaufen, weil ich eine Thermoskanne brauchte, etwas spazieren gehen wollte und auf dem Weg in einer Buchhandlung vorbeikommen wollte. Deswegen führte mein Bedarf mich zu „Karstadt“.

Da ich ja durchaus schon etwas älter bin, kannte ich „Karstadt“ ja schon und fühlte mich in der Tat etwas in meine Jugend zurückversetzt. Diese Rolltreppen, der Geruch – und immer noch beim Reinkommen die Auslagen mit den Geldbörsen auf der rechten Seite. Herrlich, alles wie immer. Dennoch musste ich mal auf den Schildern (die immer noch an den Rolltreppen aufgestellt sind) nachsehen, wohin ich gehen muss, wenn ich Thermoskannen möchte. Gelesen, eine Etage nach unten – Artikel in großer Auswahl gefunden.

Und damit ging es los…

Es gab eine große Auswahl an verschiedensten Thermoskannen. Im Kopf also fing ich an, die für mich wesentlichen Merkmale durchzugehen: Fassungsvermögen, Farbe, ungefähre Form und einen ganz groben „ca.-Preis“. Bis auf die ungefähre Form, die nur wirklich gute Webshops in ihrer Suche hätten nachbilden können, sind das alles Merkmale, die man heutzutage über Schieberegler in Onlineshops festlegt und dann ein paar Produkte zur Auswahl bekommt. Idealerweise auf einer oder zwei Seiten. Nun, ich war ja in einem „echten“ Laden. Ich dachte, meine Suchfunktion wäre die nette Dame, die mir ihre Hilfe anbot. Leider weit gefehlt. Es entwickelte sich der folgende Dialog.

Sie: „Guten Tag, kann ich Ihnen helfen oder schauen Sie nur?“

Ich: „Guten Tag. Beides. Ich möchte eine Thermoskanne kaufen. Sie soll einen Liter aufnehmen können, silber sein und eher eine längliche, schlanke Form haben.“

Sie: „Ahja.“

Ich: „Können Sie mir da etwas zeigen?“

Sie: „Also Thermoskannen finden Sie hier. Da müssten Sie einfach mal schauen.“

Dabei wies sie mit einer Geste über die geschätzten acht Regalreihen, die ich ja schon kannte, weil ich dort schon versuchte etwas zu finden. Nun, ich denke, ab hier ist jedem klar, dass ich meine neue Thermoskanne nicht bei „Karstadt“ erstanden habe.

Allerdings frage ich mich ganz ernsthaft, ob mein Anliegen und meine Erwartung wirklich so abwegig waren. Ich finde, hier haben wir ein Paradebeispiel dafür, dass das, was der stationäre Handel immer als Argument ins Feld für höhere Preise führt – nämlich die persönliche Beratung, die besser ist als die im Internet – nicht wirklich stimmt. Denn ich wäre wirklich auf einer Internetseite mit Filterfunktion besser aufgehoben gewesen. Und dabei will ich nicht mal der Angestellten einen Vorwurf machen. Ich selbst hatte auch keinen Überblick über das wirklich große, um nicht zu sagen erschlagende, Sortiment.

Ich habe dann noch etwas versucht, eine passende Kanne zu finden. Aber es dann auch irgendwann aufgegeben.

Etwas enttäuscht trat ich den Rückzug an. Kaufte noch ein paar Utensilien in der Schreibwarenabteilung – bzw. wollte die kaufen. Dabei passierte auch etwas Lustiges. Es ist in diesen Warenhäusern so, dass man seinen Kram zusammen sucht; manchmal Hilfe bekommt, manchmal nicht, und dann an eine Kasse geht. Diese Kassen befinden sich meist auf dem Stockwerk, auf dem man die Waren findet. Theoretisch kann man Waren auch stockwerkübergreifend bezahlen, aber dazu muss man (so sagt es mir meine Erinnerung) schon ein wahrer Hasardeur sein. Zumindest musste man früher damit rechnen, dass die Kassiererin einen maßregelt.

Ich suchte also ein Notizbuch, fand ein sehr passendes. Ich suchte Post-it-Blöcke, fand ziemlich genau die, die ich wollte. Eine kurze Frage an die Verkäuferin bezgl. Tinte von Montblanc, die sie mir auch extrem freundlich, treffend und zufriedenstellend beantwortete.

Und auf einmal schoss es mir durch den Kopf: ein Gürtel! Ich bräuchte noch einen dunkelbraunen. Und: es war das identische Stockwerk! Mein Glückstag. Schnell noch vier Gänge weiter geradeaus, kurz zwei Gänge nach rechts – Gürtel gefunden! Klasse.

Und die Kasse war auch ganz in der Nähe. Kaum Kundschaft, also stellte ich mich kurz an.

Ich werde niemals diesen Blick vergessen! Er brannte sich förmlich in mein Gedächtnis ein! Es war schrecklich!

Kassiererin: „Sie können die Schreibwaren hier nicht bezahlen. Nur den Gürtel.“

Ich: „Und drüben an der anderen Kasse? Geht der Gürtel da?“

Sie (blickt leicht mitleidig und etwas herablassend): „Nein, natürlich nicht!“

Also wäre das das Normalste der Welt. Als wäre meine Frage so dämlich, dass man mir sowohl das Abitur aberkennen müsste als auch das Wahlrecht für die nächsten Jahrzehnte.

Natürlich: so etwas kann doch nicht gehen…. wie soll man Gürtel und Notizbuch auch an *einer* Kasse bezahlen können? Hat dieses Vorhaben jemals jemand ersthaft in Erwägung gezogen?

Die Menschheit hat es geschafft, die höchsten Berge zu besteigen, ist auf dem Mond gelandet, schafft es, Sonden auf den Mars zu schicken. Aber bitte, damit ist es dann auch mal gut. Jetzt soll nicht noch jemand kommen und solch unmögliche Sachen verlangen, wie gemischte Warengruppen an einer Kasse abrechnen zu können.

So etwas geht einfach nicht. Und wird auch niemals gehen.

Es wäre auch schade, wenn die Kassiererin nicht immer etwas zum maßregeln hätte. Jedenfalls würde mir ein Stückchen Jugend fehlen.


 

 

 

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