Markus Hof

Erlebnis mit der Autoversicherung… zum Knuddeln

Von Zeit zu Zeit wird es immer mal Zeit (so schafft man es, in einem Halbsatz dreimal das Wort „Zeit“ zu verwenden), seine Versicherungen zu überprüfen. Nun habe ich nicht sehr viele Versicherungen, da ich für mich entschieden habe, nur diejenigen Risken abzusichern, die ich selbst nicht tragen kann. Aber es gibt ja auch Versicherungen, die man haben muss, weil es vorgeschrieben ist. Und so kommen bei mir nun aktuell vier Versicherungen zusammen. Leider jedoch sind diese vier Versicherungen aktuell bei drei verschiedenen Versicherern.

Also habe ich mich daran gemacht, sie alle bei einer Versicherung zusammen zu führen. Dazu habe ich der neuen Gesellschaft eine Vollmacht gegeben, die Versicherungen zu kündigen; ist ja ein netter Service.

Meine alte Autoversicherung wollte aber nicht so schnell aufgeben und schickte mir wie gewünscht die Kündigungsbestätigung, wies mich aber jedoch sehr eindrücklich darauf hin, dass sie mich auch gerne als Kunden behalten wollen. Dazu haben sie alle Vorteile und USP’s aufgezählt. Unter anderem stand dort folgender Aufzählungspunkt:

Versicherungsschreiben (Auszug)

Versicherungsschreiben (Auszug)

Das Schreiben insgesamt las sich auch recht nett und als zweite Seite war ein vorgefertigtes Faxformular beigelegt. Damit konnte man einfach die Kündigung widerrufen. Vielleicht etwas drüber, aber ich denke, auch bei Versicherungen ist es recht teuer, neue Kunden zu gewinnen.

Nun gut, dachte ich mir, ich kann ja einfach mal anrufen und fragen, was genau an „günstigerer Vertragsgestaltung“ möglich ist. Das war mehr Neugier, denn den Vorteil, den ich darin sehe, nur noch einen Ansprechpartner für eine Versicherung zu haben, den kann man gar nicht in Geld aufwiegen (jedenfalls nicht im Rahmen der Autoversicherung – außer, es gäbe sie umsonst).

Der Anruf ging dann in etwa so:

Ich: Guten Tag, sie haben mir wegen meiner Kündigung geschrieben, dass eventuell eine „günstigere Vertragsgestaltung“ möglich wäre. Da wollte ich einmal fragen, was genau das bedeutet.

Er (Servicemitarbeiter, ca. 30 Jahre alt): Ja, Moment. (Es folgt Musik – dann ist eine etwas ältere Dame dran.)

Sie: Ja?

Ich: Guten Tag, sie haben mir wegen meiner Kündigung geschrieben, dass eventuell eine „günstigere Vertragsgestaltung“ möglich wäre. Da wollte ich einmal fragen, was genau das bedeutet.

Sie: Haben Sie mal die Versicherungsnummer?

Ich: Selbstverständlich. (Und gebe sie durch.)

Sie: Wann kam das Schreiben?

Ich: Mitte letzter Woche.

Sie: Ich finde Sie nicht. Seit wann sind Sie hier versichert?

Ich: Seit August 2010.

Sie: Dann warten Sie mal.

Ich: Okay….

(Ich höre tippen, bekomme mit, dass eine Kollegin zum Geburtstag Käsekuchen mitbringen wird.)

Sie: Ich finde Sie immer noch nicht, aber ich kann Sie durchstellen.

Ich: Okay. (Es folgt Musik, und es folgt eine Überraschung: der Mann vom Anfang ist wieder dran.)

Er: Da hat die Kollegin wohl Probleme; ich kümmere mich mal. Die Versicherungsnummer ist … ?

Ich: Ja, genau.

Er: Tja, also, was halten Sie davon, wenn Sie etwas mehr Selbstbeteiligung machen – dann wird es günstiger.

Ich: Naja, nun, nein.

Er: Ja, sonst seh ich hier keine Alternative.

Ich: Na, dann wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Er: Reicht Ihnen das nicht?

Ich: Warum sollte ich schlechtere Leistungen nehmen, wenn ich woanders etwa weniger bei gleicher Leistung bekomme?

Er: Dann gebe ich Sie mal in eine andere Abteilung, die können mehr machen.

Ich: Okay.

Um es an dieser Stelle abzukürzen: Es dauerte bei der „anderen Abteilung“ 10 Minuten bis man anhand der Versicherungsnummer wusste, worum es geht. An wirklich attraktiven Angeboten konnte man mir nichts geben – das Maximun lag scheinbar bei einem Treuerabatt von 5%. Was immer noch weniger als meine aktuelle Einsparung ist. Dafür musste ich durch diese „Telefon-Hölle“ gehen.

Ich frage mich wirklich, warum die solche Schreiben raussenden, wenn man bis zum wirklich, echten, besten, finalen Kundenhalteangebot mehrfach verbunden werden muss. Hätte der erste Callcenteragent das direkt gesagt, hätte ich mich schneller entscheiden können (sofern ich nicht nur aus Neugier angerufen hätte) und die Versicherung hätte viel, viel Zeit gespart und nebenbei noch einen kompetenten Eindruck gemacht. Aber so hatte ich das Gefühl, man probiert einmal, wo meine „Grenze“ ist und wenn man dann einen Kunden halten konnte und nicht alles an Angebot „raushauen“ musste, dann gibt es ein Stückchen Käsekuchen für alle und man freut sich. So bleibt ein leicht schlechtes Gefühl zurück. Irgendwie.


 

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