Markus Hof

Familie Flodder…

Wikipedia sagt zum Suchbegriff „Familie Flodder“: „Flodder – eine Familie zum Knutschen“ sei eine Triologie über die asoziale Familie Flodder. Gut, ich möchte niemanden knutschen und asozial hört sich so schlimm und vor allem politisch unkorrekt an. Aber letztlich war es genau dieses Adjektiv, was mich dazu bewegt, zum einen die Überschrift so zu wählen und zum anderen überhaupt einen Post zu erstellen.

Aber von Anfang an. Meine Morgende sind eigentlich werktags recht unspektakulär. Ich genieße es, in vollkommener Ruhe meinen ersten Kaffee des Tages zu trinken, dabei lese ich vielleicht die neuesten Nachrichten in der Focus-App (manchmal benutze ich auch die Spiegel-Online-App). Nach den üblichen Tätigkeiten, um unter Leute treten zu können und im Büro nicht negativ durch Gerüche aufzufallen geht es dann zur Straßenbahn. Da der Wecker täglich um die selbe Zeit klingelt ist es nicht sehr verwunderlich, dass ich oft die Straßenbahn um 8.20 Uhr nehme. Die passt einfach zeitlich perfekt. Allerdings – dies sei nebenbei bemerkt – wenn es mal eine oder zwei Bahnen später ist, grämt mich das auch nicht. Schließlich will ich morgens einfach keine Hektik haben und um pünktlich im Büro zu sein reicht es allemal.

In meiner (wenn man es so bezeichnen will) „Lieblingsbahn“ hat sich aber seit knapp drei Monaten etwas verändert. Es sind neue Fahrgäste hinzugekommen. Nun ahnt der geneigte Leser, dass es sich um besondere Fahrgäste handeln muss, denn sonst wäre es mir niemals aufgefallen. Für öffentliche Verkehrsmittel habe ich ein eigenes „Absolutes-Desinteresse“-Gehirnprogramm entwickelt, dass alles um mich herum konsequent ignoriert und lediglich dann ausgeschaltet wird, wenn allergrößte Gefahr herrscht – oder wenn auf einmal „Familie Flodder“ auftaucht. Allerdings in der Version „nicht zum Knutschen“.

Meine Familie Flodder besteht aus Oma, Mutter und zwei Kindern – gekleidet ähnlich unserer bekannten Filmvorlage. Wobei Mutter ca. 18 Jahre ist und Oma so um die Mitte 40 sein dürfte. Da eines der Kinder – ich glaube, es ist Lukas – mit einem Kinderwagen unterwegs ist, nehmen sie gerne den Platz in der Bahn, der für Kinderwagen und Räder gedacht ist. Soweit, so gut. Gerne unterhalten sich Mutter und Tochter so laut, dass es jeder im näheren Umkreis mitbekommen muss. Und mit näherem Umkreis meine ich nicht die nächsten zwei bis drei Sitzreihen sondern mindestens die Hälfte des Wagens. Was letztlich dazu führte, dass ich sehr genau über die dentistischen Probleme von Mama Flodder informiert wurde. Allerdings immer wieder unterbrochen durch besonders laute Ordnungsrufe, denn es ging gar nicht, was Lukas schon wieder angestellt hat.

Um ehrlich zu sein glaube ich, dass Mama Flodder ihre beiden Kleinen nicht im Griff hat, denn im Grunde machen die, was sie wollen – und wenn Mama oder auch Oma Flodder sich kümmern, dann wird es mal kurz unterbrochen. Außer, es wird wirklich zu bunt, dann wird einer der beiden Kleinen auch schon mal in den Kinderwagen gesetzt und festgeschnallt. Nun kann sich der geneigte Leser sicher denken, wie sich das auf den Lautstärkepegel generell auswirkt; denn auch Kind Flodder ist nicht gerne gefesselt.

Aber genau das ist der Moment, wo man dann über den lautstarken Dialog zwischen Mama und Oma erfährt, wie man Kinder am besten erzieht. Und warum genau DAS nun DIE geeignete Maßnahme ist – und nebenbei: warum alle anderen eh keine Ahnung haben. Zum Beispiel die (ich nehme an) Kindergärtnerin, die – und nun zitiere ich – „zwar sowas studiert hat. Aber wenn die selbst keine Kinder hat, kann die das gar nicht beurteilen.“ Soweit also Mama Flodder mit ihrer haarscharfen Analyse, die durch eifriges Nicken und einem zustimmenden „die is eh viel zu jung“ von Oma Flodder bestätigt wird. Sicherlich sollten wir – wenn man es aus gesellschaftlicher Sicht betrachtet – nur solche Betreuerinnen (oder Betreuer) in Kindertagesstätten arbeiten lassen, die mindestens eigene Kinder haben und eben nicht zu jung sind. Das ist doch vollkommen klar – zumindest denke ich, Familie Flodder wäre meiner Meinung.

Ob ich vielleicht mal hätte Fragen sollen, was genau „zu jung“ bedeutet? Nein, es geht mich im Grunde nichts an – und am allerschlimmsten: es regt mich auch gar nicht so extrem auf. Leider scheine ich mich bereits daran gewöhnt zu haben, dass das Niveau so tief sinken kann.

Und noch schlimmer als am allerschlimmsten ist, dass ich mittlerweile einfach morgens gerne mal etwas trödele und mich dann insgeheim freue, wenn ich die Bahn um 8.20 Uhr knapp verpasse.


 

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