Markus Hof

„Ich bin nicht vom Haus“

Da fragt sich der geneigte Leser ja zwangsläufig: „Wo hört man einen solchen Satz?“ Nun, das ist schnell beantwortet. Im Bekleidungsladen, man kann auch „Bekleidungs-Haus“ sagen,  Breuninger. Zumindest in der Karlsruher Filiale. Und das durchaus öfter.

Mir geht es ja immer so, dass ich mich wie erschlagen fühle, wenn ich in solch große Bekleidungsgeschäfte gehe. Ich empfinde eine gewisse Hilflosigkeit. Das geht mir so, wenn ich etwas für mich kaufen will, noch mehr steigert sich das Gefühl, wenn man „nur“  jemanden begleitet, der dort etwas kaufen möchte.

Umso erfreulicher ist es dann, wenn man an eine gute und nette Mitarbeiterin oder (seltener) Mitarbeiter gerät. Meine bisherigen Erfahrungen waren zumeist so, dass man nie eine Beratung findet, wenn man sie möchte und immer eine findet, wenn man „nur mal schauen“ möchte. Das ist so etwas wie „Murphy’s Law“ für Kaufhäuser.

Am Freitag besuchte ich in begleitender Mission Breuninger in Karlsruhe. Die erste Orientierung gab es an den Tafeln vor den Rolltreppen. So gelangten wir in den ersten Stock. Um nun nicht orientierungslos das ganze Stockwerk durchsuchen zu müssen, wurde die erste Dame angesprochen, die erstens augenscheinlich dort arbeitete und zweitens auch ein Namensschild trug.

Es wurde zum ersten Mal die Frage gestellt, die uns noch beschäftigen sollte: „Ich suche ein klassisches Kostüm, wahrscheinlich mit Rock und nicht mit Hose. In welche Richtung muss ich hier ungefähr gehen, damit ich sehen kann, was Sie alles da haben?“

Die Antwort der ersten Dame war, dass … *tatata und Tusch*… sie nicht vom Haus sei. Sie dürfe auch diese Fläche hier nicht verlassen und wüsste auch sonst nicht bescheid. Ich hatte Mitleid. Denn diese Fläche war überschaubar klein – und es gab keine Toilette. Naja, eventuell gibt es dafür Ausnahmen.

Also sind wir weiter gelaufen. Die nächste Dame näherte sich auf dem Gang. Also darf diese sich scheinbar frei bewegen. Zumindest scheint es so, als sei sie nicht an eine Fläche gebunden, als sei sie frei. Oder – was noch besser gewesen wäre – sie ist einfach aus der Fläche ausgebrochen und hat sich über alle Regeln betreffend Flächen hinweggesetzt. Ist sie am Ende eine Revolutionärin?

Nun, die Antwort haben wir nicht bekommen. Aber eine sehr klare Antwort auf die eingangs genannte Frage: Hm, nein, da wisse sie nun auch nicht bescheid. Vielleicht besser ein Stockwerk höher. Aber nur vielleicht. Sie wisse das nicht, denn … *tatata und Tusch*…: „Ich bin nicht vom Haus.“

Wir erblickten die Kasse mit einer Dame hinter dem Tresen. Unsere Vermutung ging in die Richtung, dass ja wahrscheinlich das Kassenpersonal vom Haus sein dürfte. War auch so. Nur dummerweise war die Antwort wenig hilfreich. Wir entschlossen uns dann, dem Rat der Dame zu folgen, die wir kurz davor getroffen hatten und gingen eine Etage höher.

Dort sahen wir uns etwas um. Dann sahen wir eine Dame, die sichtbar zumindest keine Kundin war und stellten die besagte Frage. Und es gab zur Antwort: „Da haben wir hier von … und dort von …; sie benötigen wahrscheinlich Größe soundso und den Rock in XY. Ich hole Ihnen mal etwas zum Probieren.“

Uih, da musste ich mich erst mal setzen.

Wir hatten *sie* also gefunden. Die Kundige, die Beraterin. Das allerwichtigste jedoch: Sie war wohl vom Haus. Und dann lief es wirklich gut weiter. Auch, wenn ich lediglich Beobachter war, so hatte ich das Gefühl, die gute Frau wusste, was sie tat und sagte und bot eine wirklich sehr gute und umfassende Beratung.

Am Ende war also alles gut – leider war die Odyssee bis dahin bemerkenswert. Und vor allem nicht gut. Wenn der Kunde nach der zweiten Begegnung keine Lust mehr hätte weiter zu suchen, könnte ich das vollkommen verstehen.

Fassen wir also zusammen. Findet man jemandem „vom Haus“, dann wird es gut. Der steinige Weg dahin ist mit vielen „ich bin nicht vom Haus“-Sätzen gepflastert.


 

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