Markus Hof

Ich gebe auf!

Aus, vorbei, Ende. Ich gebe auf!

Wer sich nun fragt: „Was hat er, der Arme?“, der wird über die Antwort erstaunt sein. Ich gebe meine Gegenwehr gegen Amazon auf. Jahrelang habe ich mich dagegen gewehrt, dort alles zu kaufen, was ich so brauche.

Das hatte vorwiegend zwei Gründe. Zum einen komme ich beruflich gesehen aus einer Branche, die man wirklich als Pionier für den Verkauf im Internet ansehen kann. Computer-Hardware, -Software, Unterhaltungselektronik werden schon seit fast Mitte der 1990er Jahre im Internet verkauft und ich hatte die Ehre bei zwei der damals und teilweise auch heute noch größten Anbieter zu arbeiten. Da lernt man die Fallstricke kennen, man lernt aus erster Hand, wie sich Amazon mit allen Mitteln Marktanteile ergattert, ja manchmal sogar erkauft. Man erkennt, dass die schiere Größe ein gewaltiger Vorteil ist. Und kämpft weiter.

Der zweite Grund – neben des historischen Verständnisses für die Probleme der Versender – ist der lokale Handel. Ich gehe eben auch gerne mal in die Stadt und kaufe etwas, das ich dann direkt mitnehmen kann. So etwas kann natürlich auch manchmal ein bisschen schwieriger sein. Aber dennoch macht es Spaß.

Aber die vorletzte Woche zeigte mir, dass mein Kampf vergebens ist. Und sie zeigte mir, wie schwer es ist, Ignoranz und Inkompetenz zu ertragen. Deswegen gebe ich nun auf.

Meine erste Bestellung sollte bei OTTO (www.otto.de) sein. Einfach nur ein Spannbetttuch. Für €9,49. Es sollte nicht sein. Ich bekam einen Push-Up-Bikini in Größe 34B. Auf dem Umschlag stand meine Lieferadresse – innen lag die Rechnung für Frau Sandra Mosch aus Efringen-Kirchen. Ich blieb entspannt – so etwas sollte sich lösen lassen. Also eine E-Mail geschrieben und den Sachverhalt geschildert.

Es passiert: nix. Nachts kam eine automatisierte Mail, dass es länger dauern könnte, weil gerade so viele Mails eingehen. Das ist doof – gerade in einem solchen Fall. Also einfach mal angerufen. Den Sachverhalt erklärt und auch mal nachgefragt, wer denn jetzt vielleicht meine Adresse mitgeteilt bekommen hat. So wegen Datenschutz und so. Hat die Dame nicht interessiert. Denn, und das ist eine nette Begründung, das sei ja nicht absichtlich gemacht worden. Da gilt „das mit dem Datenschutz“ nicht. Klar.

Dann hat die Dame dennoch versucht, etwas herauszufinden und sagt mir ganz stolz, dass sie nun alles herausgefunden habe. Und nennt mir meine Lieferadresse. Dort sei das sicher angekommen – ich war kurz versucht, nochmal alles zu erklären, aber dachte mir dann „warum, es bringt ja nichts“. Es gab noch zwei Anrufe von OTTO und zwei Schreiben als Antwort auf meine Vorstandsbeschwerde – alles zeigte die schon im ersten Gespräch erfahrene Inkompetenz. In der Tat etwas weniger Inkompetenz bei den zwei Schreiben. Aber der Eindruck bleibt, wirklich helfen konnte mir niemand.

Eine Entschuldigung gab es übrigens erst, als ich fragte, ob es denn eine Entschuldigung gäbe. Das spricht Bände.

Aber auch ein Erlebnis der Ignoranz fand statt. Ich bestellte dreimal einen Artikel bei der Firma ArvoMed GmbH – ein Sanitätshaus, dass unter claravital.de online verkauft. Die drei Stück unterschieden sich lediglich in der Farbe und werden von der Firma „ofa“ aus Bamberg gefertigt und auch von dort direkt an den Endkunden der ArvoMed GmbH versendet. Leider stimmte die bei den jeweiligen Varianten angegebenen Lieferzeiten gar nicht. Und dies, wie ich herausgefunden habe, absichtlich nicht. Denn angezeigt wird eine Lieferzeit von 1-2 Werktagen. Aber ein Werktag ist unmöglich, da die Bestellungen immer nur am Ende des Tages an „ofa“ übertragen werden. Also eindeutig Absicht, um die Kunden zu einer Bestellung zu verleiten. Dafür spricht auch, dass trotz meiner Hinweise die Lieferzeit nicht angepasst wurde. Das ist nicht erlaubt. Interessanterweise haben alle Online-Wettbewerber von claravital.de die Lieferzeit ordentlich angegeben und starten mit einer frühesten Lieferzeit von zwei Tagen.

Außerdem legt die Firma „ofa“ den Paketen Retourenscheine bei, die wohl für die Großhandelskunden gedacht sind. Dort stehen dann so Dinge wie dass Retouren nur aus Kulanz angenommen werden und mit einem pauschalen Abschlag von 30% abgewickelt werden.

Auch dies wurde trotz Hinweis nicht geändert – in drei Paketen ist dies geschehen. Also auch hier ganz sicher Absicht. Da müssen nun also mal die Mitbewerber von claravital.de ran.

Solch eine Ignoranz – wohl geschuldet der Tatsache, dass der durchschnittliche Onlinekunde bei claravital.de sich nicht um diese Details schert – ist meiner Meinung nach noch schlimmer als die Inkompetenz bei OTTO. Denn die einen können es schlicht nicht besser und die anderen machen es absichtlich, um sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen. Das ist echt schlimmer.

Und ganz ehrlich: Was soll ich mir solchen Stress machen? Warum soll ich mich über so etwas noch aufregen? Das will ich einfach nicht mehr. Und deswegen bestelle ich dann einfach bei Amazon. Trotz aller Vorbehalte.

Denn dann kann ich mir sicher sein, dass es entweder direkt klappt. Oder, wenn etwas schief geht, ein kompetenter und vor allem auch kundenorientierter Service mit mir Kontakt aufnimmt. Und bei aller Liebe für die „anderen“ eCommerce-Player ist mir das doch echt etwas wert.

Es soll doch einfach nur funktionieren…


 

2 Gedanken über “Ich gebe auf!

    1. markushof Beitrags Autor

      Hier wird nichts gelöscht. Ist ja (noch) ein vorwiegend freies Land 😉

      Und ja: ich bestellte und bestelle öfter bei Amazon. Deswegen schreibe ich ja auch, dass ich aufgebe, mich dagegen zu wehren „dort alles zu kaufen, was ich so brauche.“

      Ich kaufe ab sofort nun wirklich auch *alles* dort. Keine Experimente. Schluss. Aus. Vorbei. (Anmerkung: „Keine Experimente“ war der Slogan der CDU zur Bundestagswahl 1957 – jährt sich zum 60. Mal dieses Jahr. Welch Zufall oder gar ein Wink des Schicksals?

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