Markus Hof

Ich würde das niemals tun…

Heute erhielt ich einen (genehmigten) Werbeanruf. Man wolle mir eine Geldanlageform anbieten, die ich „so noch nicht kenne“.

Im kurzen Worten ging es darum, dass ich einer Firma Geld zur Verfügung stellen kann, welches diese dann für mich anlegt. Dafür bekommt diese Firma ein Entgelt von Nullkommairgendwas Prozent des Anlagebetrages.

Erstmal hörte sich das ganz gut an. Das ist oft so, wenn man etwas zum ersten Mal hört – und das gegenüber natürlich auch entsprechend professionell argumentiert.

Ich habe vor langer Zeit einmal für mich beschlossen, dass ich niemals etwas unterschreibe, was ich nicht zu 100% verstehe. Nicht nur in Geldangelegenheiten. Das führt dazu, dass ich mir Dinge auch wirklich durchlese, bevor ich sie unterschreibe. Und manchmal merkt man, dass dies das Gegenüber verwirrt. Dabei ist das oft einfach nur deswegen so, weil die es nicht gewöhnt sind. Wenn ich so etwas merke, dann erkläre ich kurz, warum ich das mache.

Manchen erscheint es dann weiterhin komisch, manche sagen, man solle das viel öfter so machen.

Aber zurück zum Anruf. Es entspann sich folgender Dialog:

Ich: „Wie wird das Geld denn angelegt? Und hat man Einfluss darauf?“

Dame: „Nein, das geht alles automatisch.“

Ich: „Gibt es denn eine Strategie oder sowas? So dass ich zumindest weiß, welches Risiko eingegangen wird?“

Dame: „Risiko gibt es ja keins, denn langfristig steigen Aktien ja immer.“

Ich: „Nun ja, das ist ja so nicht richtig. Und wenn es kein Risiko gibt, darf ich das schriftlich haben? Wie lange planen Sie denn eine Anlagedauer?“

Dame: „Solange Sie wollen.“

Und so ging es weiter. Also eine automatisierte und risikolose Geldanlage. Man muss lediglich weniger als ein Prozent Gebühr für diesen „Service“ zahlen. Das wäre ja klasse, wenn es denn stimmen würde. Nun muss man zur Ehrenrettung des Anbieters sagen, dass die Dame das etwas positiver dargestellt hat, als der Anbieter es selbst beschreibt. Natürlich gibt es – und der Anbieter weist darauf auch sehr deutlich hin – ein Risiko bei den Geschäften. Jedoch, und das ist der interessante Aspekt, scheint die Anlageentscheidung automatisiert stattzufinden. Das bedeutet, es findet eine Entscheidung ohne jegliche Gefühle, Hoffnungen, Missmut, etc. statt. Das ist eigentlich relativ gut bei Anlageentscheidungen.

Und nun überlegte ich mir, ob ich den Laden mal ausprobieren sollte. Im Endeffekt kam ich zu dem Schluss, das nicht zu tun. Denn letztlich würde es ja meinem Grundsatz widersprechen, dass ich nur solche Anlagen tätige, die ich auch verstehe. Und hier wäre es so, dass jemand anders die Anlagen tätigt. Unabhängig davon, ob ich das verstehe oder nicht. Deswegen lasse ich das.

Vielleicht ärgere ich mich irgendwann über diese Entscheidung. Genauso, wie ich mich über die Entscheidung ärgere, keine Bitcoins gekauft zu haben im März 2017. Ich glaube, bis Dezember 2017 hatte sich der Kurs knapp verzehnfacht. Und heute wäre es immer noch gut eine Vervierfachung. Aber wie sagte ich damals, als es mir angeboten wurde: „Ich verstehe nicht, wie das funktioniert, wie es zu dem Wert des Bitcoin kommt, was dahinter steckt. Deswegen würde ich das niemals tun.“

Wobei, ärgern ist das falsche Wort. Im Grunde ärgere ich mich nicht und trauere nicht den vermeintlichen Gewinnen nach. Denn letztlich hätte wahrscheinlich ein Aufgeben meines Grundsatzes zur Folge, dass ich viel öfter mal daneben gegriffen hätte. Und im Ergebnis sicher mehr Geld verloren hätte als bei solchen Geschäften gewonnen.

Deswegen bleibe ich einfach dabei – und anderen Ratschläge in solchen Dingen würde ich auch niemals geben. Außer dem einen, dass man nur das machen sollte, was man auch versteht.


 

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