Markus Hof

In der Sache und Wortwahl klar, im Vortrag stilvoll fein

Es gibt so Tage im Leben, da genügt eine Kleinigkeit und man ist irgendwie fassungslos. Es gibt aber auch Tage, da erträgt man viel, ohne dass man sich großartig beschwert. Und es gibt Tage, da schwankt man zwischen Beidem.

Ich hatte heute einen aufregenden Tag, denn ich besuchte die Internet World in München. Das ist eine E-Commerce-Messe mit vielen, vielen Ausstellern. Die meisten machen „irgendwas mit E-Commerce“. Und es gibt einen Kongress. Der kostet Geld, was den Vorteil hat, dass die Vorträge und Diskussionen nicht überlaufen sind. Und es ist so – und dafür liebe ich diese Veranstaltung – dass sehr oft Praktiker über konkrete Themen sprechen. Für Ästheten kann das Nachteile haben.

Ich verfolgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Female Commerce“. Das Podium war besetzt mit vier Frauen. Nun, sagt das etwas aus? Sicherlich, aber gut, manchmal sind Dinge, wie Dinge eben sind. Inhaltlich war es zwar lediglich eine seichte angedeutete Diskussion, aber das war alles okay.

Was mich fassungslos machte, war eine Teilnehmerin. Sie sprach nahezu ausschließlich in Plattitüden, benutze Buzz-Words manchmal passend, meist unpassend, füllte Lücken mit einem pseudointellektuellen „ähm öhm“ und ging, je länger der Sprachbeitrag dauerte ins Nasale über. Daneben die üblichen Bewegungen von Beinen bzw. Füßen.

Wow. Das war dermaßen deutlich, dass es schon peinlich wurde und bei mir wirklich etwas Fremdschämen einsetzte. Wie sagte mir mal jemand, was zu beachten sei, wenn man öffentlich spreche: Sei in der Sache klar, dann ist es auch Deine Wortwahl. Erweise dem Gegenüber den Respekt eines ordentlichen Vortrages – mit Stil, Esprit und Zurückhaltung. An diesen Rat, den ich von geraumer Zeit bekam, musste ich sofort wieder denken; den noch nie sah ich so deutlich das Gegenteil.

Aber das allerwichtigste, was der Ratgeber mir damals sagte: sag nur etwas, wenn Du auch wirklich etwas zu sagen hast.

Hätte besagte Teilnehmerin das beherzigt, so wäre mir der Rest der Beobachtung erspart geblieben. Denn sie wäre still geblieben.


 

 

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