Markus Hof

Kofferschein

Es hat sicher jeder schonmal versucht, ein Wort zu finden, das Google nicht kennt. Mache ich auch abends öfter mal gerne, habe ich aber noch nie geschafft.

Gerade eben habe ich das Wort „Kofferschein“ in die Googlesuche eingegeben – weil ich wissen wollte, ob das eine offizielle Bezeichnung ist. Scheinbar kennt aber auch der Duden das Wort nicht.

Nun könnte man die Sache also zu den Akten legen und es gut sein lassen. Aber der geneigte Leser fragt sich ja, wie kommt er denn auf dieses Wort?

Nun, heute Morgen in der Garderobe der Messe München lief mir dieses Wort zum ersten Mal über den Weg bzw. in das Ohr. Als sich nämlich eine resolute Dame von – berücksichtigt man das Volumen ihrer Stimme – erstaunlich kleiner Körpergröße hinstellte und der anwesenden Messebesucher-Meute erklärte, die Kofferscheine seien aus. Und an die Mitarbeiter gerichtet: „Da müsst ihr improvisieren.“

Nun ist wahrscheinlich die Arbeitsplatzbeschreibung eines Garderobenmitarbeiters und einer Garderobenmitarbeiterin nicht der Ort, an dem man unbedingt erwarten würde, dass „Improvisation“ eine der Fähigkeiten sei, die weit oben steht. Dafür ging es in unserer Warteschlange recht gut.

Der erste Gast, der einen Koffer abgab, bekam einfach einen halben Zettel auf dem eine Nummer stand. Die andere Hälfte wurde per Klebestreifen (also TESA) an den Koffer angebracht. Eine gute Lösung.

Anscheinend fiel der Garderobendame dann aber auf, dass das ja gar nicht fälschungssicher ist. Und mein Vordermann bekam eine Metallmarke, die eigentlich dafür vorgesehen ist, als Beleg für eine abgegebene Jacke zu dienen. Denn in diese Metallmarke ist die Nummer des Garderobenhakens eingeprägt – dort sollte dann die Jacke hängen.

So wurde mein Vordermann sehr energisch darauf hingewiesen, mit leicht französischem Akzent im übrigen, dass er beim Abholen unbedingt sagen solle, dass er einen Koffer hole und keine Jacke. Das sei ganz wichtig, denn sonst suche der Kollege eine Jacke, aber die sei nicht da und dann… ohje… das wiederholte die Dame dann auch sehr resolut.

Seit heute liebe ich resolute Ansagen mit etwas rauchiger Stimme und leicht französischem Akzent!

Nun war ich an der Reihe. Ich freute mich schon darauf, dass sie mir in gleicher resoluter Manier sagen würde, worauf ich zu achten habe und wie ich mich verhalten solle, wenn ich denn meine Sachen zurück haben wolle.

Tja, zu früh gefreut. Der Engpass der Kofferscheine wurde gelöst. Es gab neue. Und ich hatte den mit der Endziffer 01.

Man muss sagen, dafür, dass weder ich das Wort kannte; noch Google es zu kennen scheint und sicher auch die meisten Leser es vorher nicht kannten, hat mir dieses Wort einen sehr schönen Start in einen Messetag ermöglicht.

Wer sich nicht vorstellen kann, was denn so ein Kofferschein ist: Es ist im Grunde genau das gleiche, was alle Fluggesellschaften an einen Koffer anbringen, wenn man sein Gepäck vor einem Flug aufgibt.

Die sehen ähnlich aus (hier waren sie gelb) und sind von der Funktion nahezu identisch – die selbstklebende Seite, die man dann schön in einer Schlafe durch den Griff ziehen kann. Lediglich bei den Kofferscheinen auf der Messe gab es noch einen Abriss für den Kunden, damit er den abgeben konnte zum Wiederbekommen.

Ja, bei den Fluggesellschaften heißt es dann „luggage tag“. Und bei der Garderobe der Messe München eben: Kofferschein.

Das ist schön.


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