Markus Hof

Mensch, Siemens… (Teil 2)

Manchmal hilft es ja, wenn man Dinge verstehen will, einfach mal zu fragen. Mir kam bei der ganzen Debatte um den Stellenabbau bei Siemens einiges komisch vor. Und da dachte ich mir einfach mal, dass ich dort nachfrage – und habe eine E-Mail an die Pressestelle geschrieben. Denn – wenn auch nur in extrem kleinen Maße – ist das hier ja eine „Abart journalistischer Tätigkeit“. Und außerdem finde ich es immer gut, wenn man Leute befragt über die man etwas schreibt oder sagt.

Und was kann ich nun berichten? Nun, es ist recht einfach. Ich dachte ganz ernsthaft, dass da wohl eine Mail kommen wird, die schon tausendfach vorher versendet wurde und die ähnlich der Pressemeldung einfach die Sicht von Siemens darstellen wird. Es war jedoch anders. Es rief mich der auf der Webseite genannte Herr abends an und fragte, ob wir kurz darüber sprechen können, was ich angefragt hatte. Da ich leider keine Zeit hatte, verabredeten wir, dass ich zurückrufen würde.

Das tat ich dann und erstaunlicherweise konnten wir die Frage, die ich hier gestellt hatte und die ich nach wie vor sehr wesentlich finde, erörtern: Warum hat Siemens – so weitblickend sie doch nun zu sein scheinen – die Leute nicht umqualifiziert? Siemens sagt dazu folgendes.

Es werden in Deutschland ca. 3.400 Arbeitsplätze wegfallen. Es ist das Ziel von Siemens, dass dies ohne betriebsbedingte Kündigungen  geschehen soll. Allerdings kann Siemens aktuell nicht garantieren, dass dieses Ziel zu 100% eingehalten wird. Vorwiegend wird versucht, die Mitarbeiter weiterzubilden oder auch für andere Bereiche fit zu machen, damit sie sich auf andere offene Stellen im Konzern bewerben können und dort einen neuen Arbeitsplatz finden können. Dann wird versucht, über die Altersteilzeit Stellen einzusparen.

Letztlich gibt es dann auch noch die Instrumente der Auffanggesellschaften und großzügigen Abfindungsregelungen. Wobei da nicht ins Detail gegangen wurde, was nun genau großzügig bedeutet.

Aber natürlich bleibt eine gewisse Portion Ungewissheit für die Betroffenen und es wird sicher auch viel spontane Flexibilität erwartet. Zumindest gehe ich davon aus.

Allerdings lässt diese Stellungnahme von Siemens die ganze Sache doch in einem etwas anderen Licht erscheinen. Zumindest in einem anderen Licht als ich das bisher über die Medien wahrgenommen habe. Es ist also bei Weitem nicht so, dass Siemens nun 3.400 Leute zum Arbeitsamt schickt. Insofern muss ich sagen, war das Gespräch mit Siemens direkt doch etwas aufschlussreicher als erwartet und gedacht. Es zeigt aber auch, dass man immer versuchen sollte, die Quellen zu befragen und sich nicht auf bloße Berichte über etwas verlassen sollte.

Das beste Bild ist immer noch das, das man sich selbst verschafft. Darf und sollte man nicht vergessen.


 

2 Gedanken über “Mensch, Siemens… (Teil 2)

  1. Elisabeth

    Und das ist das, was ich an DIR soooo schätze und was einfach unverbesserlich ist: DU fragst einfach nach. „Jeder“ andere vertraut seiner subjektiven Meinung, seinen Hirngespinsten oder hört an der Stelle, an der die Gedanken fehlen, auf zu denken…aber du…du fragst einfach nach…bei Menschen und an Stellen, die für andere unerreichbar scheinen.
    Danke!

  2. Heiko

    Danke für die zusätzliche Info, Markus. Macht schon einen gewissen Unterschied zu dem, was man allgemein mitbekommt. Hoffe nur, dass Siemens es auch ernst meint und es nicht nur „Blabla“ ist. Liebe Grüße

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