Markus Hof

Mensch, Siemens…

Da sitzt man eines Abends gemütlich auf der Couch und auf einmal kommt die Meldung, dass die Siemens AG ungefähr 3.500 Stellen abbauen will – und das alleine in Deutschland. Weltweit sogar fast 8.000 Stellen. Man ist sehr überrascht auf der Couch, denn kürzlich las man noch, dass Siemens einen Rekordgewinn machte. Ca. 6 Milliarden Euro Gewinn.

Natürlich stellt sich da auf den ersten Blick die Frage, was das soll. Unterstellt man einfach mal, dass Siemens eine solche Aktion ja nicht deswegen ankündigt, weil sie schlechte Presse wollen, so stellt sich ja die Frage, warum machen die das?

Die Begründung, die ich in den letzten Tagen sehr oft hörte war, dass die jeweiligen Werke nicht komplett ausgelastet seien, dass die jeweiligen Geschäftsfelder keine Zukunft hätten und dass Siemens deswegen Umstrukturierungen vornehmen wird. Soweit, so nachvollziehbar.

Denn letztlich sieht man an prominenten Beispielen, was passiert, wenn ein Unternehmen es nicht schafft, die Zukunft aktiv mitzugestalten und andere Unternehmen es überholen: Die Firma Nokia, zum Beispiel. Ein sehr geeignetes Beispiel, wie ich finde. Nokia stellte einmal Gummistiefel her – wurde dann, wahrscheinlich aufgrund einiger richtiger, vielleicht sogar genialer, Entscheidungen Marktführer bei Mobiltelefonen. Das mit den Smartphones ging dann jedoch an Nokia vorbei – letztlich hat Microsoft die aufgekauft und um ehrlich zu sein, weiß niemand, was die gerade so machten, die Nokias.

Das will sicher niemand auch für Siemens so ablaufen lassen. Deswegen ist die Begründung sehr nachvollziehbar, dass man für die Zukunft vorsorgen wolle, dass man auch in Zukunft vorne dabei sein wolle, dass man eben nicht so enden wolle wie Nokia. Das ist doch sogar total super, ein solch vorausschauendes Management zu haben. Man sollte sich gar glücklich schätzen bei einem solchen Vorstand.

Nun stelle ich mir aber eine Frage. Und ich gestehe jedem Unternehmen zu, dass es quasi „mit der Zeit gehen“ muss. Aber warum müssen solche weitreichenden Zukunftsentscheidungen, solch entscheidende Weichenstellungen, so kurzfristig und mit solch großer Auswirkung getroffen und durchgesetzt werden?

Wenn man doch weit in die Zukunft denkt und eine klare Strategie für die Zukunft hat, warum schafft man es dann nicht, die Änderungen so rechtzeitig anzustoßen und zu planen, dass es ohne eine Massenentlassung gemacht werden kann? Warum bietet man betroffenen Mitarbeitern nicht rechtzeitig Schulungen an, um sie für die Zukunft fit zu machen?

Wenn man mit einem Mal, so hoppladiehopp, die Zukunft in Angriff nimmt – oder nehmen muss- dann relativiert das doch schon etwas die Aussage, dass Siemens einen ganz tollen und extrem weit blickenden Vorstand habe.

Es drängt sich dann doch die schlichte Frage auf, ob der Weitblick dann doch nur bis zum eigenen Bonus reicht. Zuzutrauen ist das vielen unserer DAX-Wirtschaftskapitänen. Leider. Dann doch.


 

Ein Gedanke zu “Mensch, Siemens…

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