Markus Hof

Randnotiz No. 1

Einige meiner Bekannten haben mich in letzter Zeit gefragt, warum ich denn gar nicht über die Flüchtlingsthematik schreibe.

Meine Antwort war immer gleich: die Gefahr missverstanden zu werden – und damit in eine Ecke, sei es links oder rechts, gestellt zu werden – ist mir so hoch. Die Entscheidung, mich über das Thema nicht zu äußern habe ich getroffen, als eine recht bekannte Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins – Dunja Hayali – einen sehr harschen Facebook-Post mit Ihrer Meinung zur der Thematik veröffentlicht hat, der im Groben sagte: „Ich habe nichts gegen die Hilfe für Flüchtlinge, aber…“ dürfe man ja nun gar nicht sagen. Denn es dürfe in einer solchen Frage kein „aber“ geben. Und für mich las sich der Text so, dass jeder, der ein „aber“ (weswegen auch immer) formulieren wollte, gleich ein Rechter sei.

Für mich schlimm, dass eine Vertreterin der Presse so fundamental gegen eine freie Meinungsäußerung spricht – aber leider drehen wir Deutschen halt bei Themen wie Ausländern, Asyl, Hartz4, etc. komplett durch und werfen viel unserer mitteleuropäischen (ups, darf man das so schreiben?) Bildung hinten runter, bloß um absolut politisch korrekt zu sein.

Eine Meinung zu formulieren, die auch nur ein kleinstes Wenig Gefahr liefe, nur ansatzweise etwas gegen oder für etwas vermeintlich rechtes oder linkes Gedankengut sein zu können – nein, das lassen wir lieber. Warum auch mal intensiv diskutieren und legitime Argumente austauschen und sich andere Meinungen respektvoll anhören, wenn es doch so leicht geht zu sagen: „Ah, das ist aber ein Argument der Rechten/Linken.“ – warum nicht mit dem großen Tuch alles wegwischen statt sich inhaltlich auseinander zu setzen und argumentativ zu entkräften?

Das finde ich schade – aber es ist der Grund, warum ich mich zu solchen Themen hier nicht äußere. Dazu gibt es zuviel Solche und Andere, die hier dann kommentieren könnten. Und bevor das abgleitet, schreibe ich eben über Themen, die des Volkes Seele nicht so reflexartig bedienen. Ist ja auch nett.

Um es vielleicht plastisch zu verdeutlichen, hier die Schilderung einer echt erlebten Situation.

Volkshochschule. Schwedischkurs. Im Raum anwesend sind neun Schüler und ein Dozent. Einer der Schüler bin ich – die anderen sind so um die 20-25 Jahre alt, unser Dozent ca. 35 Jahre alt. Es geht um die Worte „vänster“ und „högra“ – links und rechts. Also eher eine private Situation und keine riesige Lehrveranstaltung mit Fernsehen-Live-Übertragung.

Der Dozent kommt ins Plaudern über die Parteienlandschaft (Auslöser: Links-Partei und Rechts-Partei)  in Schweden, erzählt, es sei ein eher linkes Land und dass vor kurzem die Asylbestimmungen verschärft wurden, was ein politisch großer Einschnitt war.

Aus dem Kurs kommt die Frage von einem Schüler, der demnächst für ein paar Monate nach Schweden geht, wie die Schweden Ausländern gegenüber stehen, insbesondere gegenüber Deutschen.

Soweit die Situation.

Unser Dozent wollte einfach antworten: „Der normale Deutsche hat dort ein gutes Ansehen.“

Und ganz ehrlich: Ich hätte diesen Satz nicht als schlimm, verachtend oder sonst wie eingeordnet – sondern lediglich als normale Antwort auf eine normale Frage.

Aber soweit kam es nicht. Der Dozent unterbrach sich selbst „ja, normaler Deutsche …. ne, dass kann man ja nicht sagen, es gibt ja auch Farbige Deutsche… also der Durchschnittsdeutsche… also, ich mein das jetzt nicht rassistisch; also wenn man – irgendwie kann ja jeder einen deutschen Pass haben – also ich meine, bekommen. Jetzt nicht dass das schlimm ist, also wir ….“ und so stammelte er weiter.

Jeder wusste, dass er eigentlich nur sagen wollte: „Der normale Deutsche hat dort ein gutes Ansehen.“

Und vielleicht macht diese Situation klar, was ich meine. Ich hoffe es.


 

 

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