Markus Hof

Randnotiz No. 3

Es ist noch nicht zu Ende – und dennoch ist bereits jetzt das Jahr 2016 ein Jahr, in dem die Liberale Partei – sie heißt FDP, für alle, die sich nicht mehr so genau erinnern – drei sehr große Verluste hinnehmen musste. Und auch wir alle haben drei große liberale Menschen verloren. Drei Menschen, die – jeder auf seine Art und in seiner Zeit – Großes erreicht haben und für Anstand, Größe und Aufrichtigkeit standen.

Mitte März diesen Jahres starb Dr. Guido Westerwelle, den ich 1998 einmal kurz persönlich kennenlernen durfte und dessen unglaublich bewegendes Buch „Zwischen zwei Leben“ ich gerade lese. Guido Westerwelle beeindruckte mich durch sein enormes Wissen und seine glänzende Rhetorik. Dennoch blieb er bei aller „Berühmtheit“ immer ein Mensch, der auch um seine Schwächen wusste und zu ihnen stand.

Ich denke, die FDP hätte anders mit ihm umgehen sollen. Was sie davon hat, zeigt sich gerade. Aber manchmal ist die Sachlage wohl einfach so, wie sie ist.

Tschüss, Guido.

Kurze Zeit nach dem Ableben von Guido Westerwelle verstarb dann Ende März auch Hans-Dietrich Genscher. Wer erinnert sich nicht an „den“ Außenminister? Eine ganze Generation – ich gehöre dazu – kannte nur ihn als „Außenminister Genscher“. Unvergessen sein – wohl der geschichtlich auch berühmteste – Halbsatz auf dem Balkon der Prager Botschaft.

Sein Lebensweg war geprägt von vielen Rückschlägen und gerade in den frühen Jahren von Krankheiten, aber er kämpfte sich durch und war letztlich eine der wesentlichen Personen, die die Deutsche Einheit mit gestalteten, wenn nicht sogar erst ermöglichten.

Und auch nach seiner aktiven Karriere lohnte es sich, Hans-Dietrich Genscher zuzuhören. Was er zu sagen hatte, was er zu berichten hatte, war immer etwas Interessantes und oft sehr lehrreich für den geneigten Leser und Zuhörer.

Herzlichen Dank, Herr Genscher.

Und im Dezember starb Dr. Hildegard Hamm-Brücher. Sie war seit 1948 politisch aktiv und schied erst im Jahre 1990 aus dem Bundestag aus, in den sie 1976 erstmals gewählt wurde. Frau Hamm-Brücher war für mich stets ein Symbol an Aufrichtigkeit. Von ihr konnte man lernen, zu seinen Positionen auch dann zu stehen, wenn es schwierig ist – sie stellte sich in einigen Fragen gegen die Mehrheit in ihrer Partei, weil sie einfach ihrem Gewissen folgte.

Besonders bemerkenswert finde ich ihre Äußerungen in Bezug auf das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt im Jahre 1982, das zum Ergebnis hatte, dass Helmut Kohl zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde. Es lohnt sich sehr, sich einmal damit auseinander zu setzen.

Adieu, Frau Dr. Hamm-Brücher.

So geht das Jahr also bald zu Ende und diese drei Liberalen sind nicht mehr da. Man sollte sie nicht vergessen und sich ihrer erinnern – vor allem aber sollte man hin und wieder über ihre Ideen, Ideale und das, wofür sie standen nachdenken. Man kann viel von ihnen lernen.


 

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