Markus Hof

Schnellbäcker

Ich war mit einem Bekannten bei einem Schnellbäcker. Man kann die Firma ja ruhig benennen: Es war die Firma Backfactory. Wir suchten unseren Snack zusammen und begaben uns an die Kasse. Die war nicht besetzt und vor uns wartete eine ältere Frau. Ich schätze sie auf zirka Mitte Fünfzig. Man konnte sehen, dass diese Frau nicht wirklich auf der Sonnenseite des Lebens steht. Sie wirkte ungepflegt und – ich vermute, ich unterstelle es – wahrscheinlich obdachlos. Sie hatte ein belegtes Brötchen und eins von diesen Pizzastücken auf ihrem Tablett und außerdem eine Börekstange, die sie schon begonnen hatte zu essen.

Dann kam die Kassiererin und fauchte die Frau an, sie dürfe etwas erst essen, wenn es bezahlt sei. Das war statt „Guten Tag“ die Begrüßung. Dann stellte sich heraus, dass die Frau nicht genug Geld hatte, um alles zu bezahlen. Die Kassiererin teilte das dem ganzen Laden mit, jedenfalls sprach sie so laut, dass es jeder mitbekommen konnte und auch musste. Sie wurde regelrecht ausfällig gegenüber der älteren Frau. Und nahm ihr das Pizzastück vom Tablett und schrie sie fast an, was das denn solle. Dann sagte jemand, dass er das alles bezahle, was die Frau sich ausgesucht habe. Daraufhin schaute die Kassiererin als hätte sie einen Geist gesehen.

Der Bezahler sagte dann, dass er kein Pizzastück kaufen werde, was die Kassiererin schon angefasst habe. Das sei unhygienisch. Dieser Blick war unbezahlbar. Also ging er nach dem Bezahlen mit der älteren Dame hin und nahm ein neues, frisches Stückchen.

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Kassiererin in der Lage ist, die tollsten Urlaube jedes Jahr zu machen und sich das tollste Leben zu gönnen, was man sich vorstellen kann. Umso mehr fand ich das herrische Verhalten unangemessen. Ich habe bei Backfactory um eine Stellungnahme gebeten und werde diese hier veröffentlichen, wenn ich eine Antwort erhalte.

Bitte diese Episode nicht falsch verstehen. Ich möchte nicht, dass alle Firmen ihre Waren verschenken. Aber ich möchte, dass die Menschen einfach menschenwürdig behandelt werden. Man muss so etwas nicht durch den Laden brüllen. Und hoffen, dass auch andere den Kopf schütteln und sich sozusagen verbünden. Man könnte einen solchen Vorfall auch einfach leise regeln und – wenn man es denn will – der älteren Dame dann ein Hausverbot aussprechen.


Update:

Backfactory hat sich sehr bemüht, schnell und umfassend zu antworten. Ich bekam auf meine Anfrage hin schnell eine Antwort per E-Mail und wurde dann auch angerufen, und man fragte, ob ich noch weitere Fragen habe und verurteilte den Vorfall auch noch einmal persönlich. Nachfolgend zwei Zitate aus der E-Mail, die die Positionierung von Backfactory deutlich machen.

„[…]wir möchten, dass sich alle Gäste – ungeachtet ihres sozialen Status’ oder Ihrer Herkunft – bei uns wohl und mit Respekt behandelt fühlen. Deshalb bedauern wir es sehr, dass die Mitarbeiterin […] die beschriebene Situation nicht anders gelöst hat. So wie Sie die Begebenheit schildern, hätte sie fraglos mit mehr Feingefühl reagieren müssen. Unser zuständiger Verkaufsleiter wird sich zu dem Vorkommnis mit dem Storemanager in Verbindung setzen und die Situation mit ihm besprechen.“

„So arbeiten sowohl unsere eigenen zentralgeführten Stores als auch die Stores unserer Systempartner in der Regel mit gemeinnützigen Organisationen wie zum Beispiel den regionalen „Tafeln“ oder anderen sozialen Verpflegungseinrichtungen zusammen. Darüber hinaus entscheiden unsere selbstständigen Systempartner individuell über weitere soziale Aktionen und Projekte, in denen sie sich an ihren Standorten engagieren.“


 

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