Markus Hof

Silent Majority – und was passiert in Deutschland?

Das Abendland ist untergegangen.

So könnte man die Reaktionen auf den Wahlsieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA zusammenfassen. Und auch im Nachgang tut der gute „president elect“ ja einiges dafür, dass man so denkt. Wenn man es sich einfach macht jedenfalls und dann am besten gleich auch den Kopf in den Sand steckt.

Mal abgesehen davon, dass es auch einige erfrischende Ansichten zu Donald Trump gibt – so zum Beispiel die öfter mal geäußerte Ansicht, dass er im Gegensatz zu allen Kandidaten mit politischem Hintergrund, keine „Leichen im Keller“ haben dürfte, die man noch nicht kennt. Auch ich glaube nicht, dass uns das Ende der Zivilisation bevorsteht. Weder im Wortsinne noch im übertragenen Sinne. Aber es wird im besten Fall spannend und im schlimmsten Fall ungemütlich.

Es war eine Wahl – diese Wahl hat einen Gewinner. Ob uns das nun passt oder nicht, zu akzeptieren haben wir es allemal. So ist es eben in einer Demokratie. Und auch nun auf einmal das amerikanische Wahlrecht in Frage zu stellen ist schon ein wenig – nunja, sagen wir mal – „einfach“. Das gibt es in dieser Form schon seit über 200 Jahren. Man nennt es zusammengefasst „Mehrheitswahlrecht“ während wir in Deutschland nach dem „Verhältniswahlrecht“ wählen. Die USA stehen auch nicht alleine da. Auch in Großbritannien wird so verfahren und in vielen weiteren Ländern.

Auch wird die Eignung zu einem Amt nicht geprüft, jeder hat die gleichen Zugangsvoraussetzungen. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder IQ. So ist das – und wenn wir das ändern wollen, muss sich eine Mehrheit finden, die es ändern kann.

Wir werden es überleben, die Erde wird deswegen nicht untergehen, obwohl diese Möglichkeit sicherlich wahrscheinlicher wurde – und (ich befürchte) in acht Jahren wird es einen neuen amerikanischen Präsidenten geben.

Aus der Entfernung vermute ich, dass in den USA das gleiche passiert ist, was uns bei der kommenden Bundestagswahl auch bevorstehen dürfte. Die „silent majority“ – also die „schweigende/stille Mehrheit“ schlägt zu.

Bereits mehrfach habe ich auf diese Problematik hingewiesen: man muss die Menschen ernst nehmen – und mit ihnen diskutieren und ihnen nicht über den Mund fahren und sie in (zumeist rechte) Ecken stellen.

Die „gebildeten“ Menschen, die Intellektuellen, die, die meinen sie seien es und auch die Pseudointellektuellen müssen aufhören, Menschen zu verurteilen, nur weil die anders denken und vielleicht auch etwas radikalere Gedanken haben. Es kann nicht sein, dass diese Menschen abfällig verurteilt werden und in populistische Ecken gestellt werden.

Denn die Folge davon ist, dass die so abgestempelten Menschen einfach den Mund halten. Somit geben sie dann gar keinen Anlass mehr dazu, dass man versuchen kann, sie mit Argumenten zu überzeugen – denn: sie sind ja still, weil sie sich nicht „abstempeln“ lassen wollen. Und das ist sogar, zumindest in den meisten Fällen, irgendwie nachvollziehbar. Und es kann von den jeweiligen extremen oder extremeren Lagern ausgenutzt werden, in dem diese einfach breit Informationen streuen, die auf die gängigen Vorurteile katalysierend wirken. Dabei müssen diese Informationen oft gar nicht falsch sein, es reicht, wenn sie entsprechend aufbereitet werden. Und vor allem: entsprechend – sagen wir – „tendenziös“ interpretiert.

Und wenn diese Leute dann eben den Mund halten, weil sie sonst in die rechte oder linke Ecke gestellt werden und man sie deswegen nicht mit sinnvollen Argumenten im persönlichen Gespräch davon überzeugen kann und ihnen belegen kann, dass Vieles nicht 100%ig korrekt ist, was so aus bestimmten Richtungen „propagiert“ wird, dann hat man das Phänomen der „silent majority“, der „schweigenden Mehrheit“.

Sie äußern sich nicht, geben keine Gelegenheit zur Diskussion – aber in der Wahlkabine wird das Kreuz dann *so* gesetzt. Bei keiner Meinungsforschung tauchen sie auf – erst im Wahlergebnis. Und dann ist der Schreck wieder groß und „die Gesellschaft“ denkt darüber nach, was man tun kann.

Aber die Überzeugungsarbeit ist vorher zu leisten – und dazu sollte man jede Meinung – wie abstrus sie auch sein mag – nicht verteufeln. Sondern dankbar sein, sie in einer Diskussion vielleicht mit guten Argumenten entkräften zu können oder zumindest den Gegenüber zum Nachdenken anzuregen.

Das wäre schön.


2 Gedanken über “Silent Majority – und was passiert in Deutschland?

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