Markus Hof

Wie das Leben so spielt…

Es gibt Dinge im Leben, die passen so recht nicht zueinander. Zum Beispiel Frauen und Kälte oder Fastfood und Candlelightdiner. Aber es gibt auch Dinge im Leben, die gut zusammen passen. Zum Beispiel Männer und Fußball oder Polizei und Vorbilder – aber Obacht! Das stimmt gar nicht immer. Und das ist durchaus bemerkenswert.

An einem Freitagabend kurz vor neun Uhr fahre ich kurz nach einem Dienstwagen der Bundespolizei auf den Parkplatz eines McDonald’s-Restaurants. Es ist viel los und nur noch ein paar Parkplätze frei, zudem noch weit entfernt vom Eingang.

Was mache ich? Ich fahre dahin und stelle mein Auto ab. Was macht die Polizei? Sie stellt sich in direkter Nähe zum Eingang auf einen Behindertenparkplatz. Das konnte man daran erkennen, dass das blaue, allseits bekannte «P»-Schild dort stand und mit dem kleinen, weißen Ergänzungsschild kombiniert war, auf dem ein Rollstuhl abgebildet ist. Oder wie es im Behördendeutsch heißen würde: das Verkehrszeichen 314 mit dem Zusatzzeichen 1044-10.

Selbstverständlich ist es so, dass der Parkplatz von McDonald’s kein Raum ist, der der Straßenverkehrsordnung unterliegt. Er ist Privatbesitz. Das bedeutet, dass es auch keine Ordnungswidrigkeit ist, wenn man so parkt. Es ist, wenn man so will, maximal ein Verstoß gegen die Hausordnung.

Nun ist es aber so, dass sich um diese Uhrzeit an diesem Wochentag ganz besonders viele Jugendliche an einem solchen Ort aufhalten. Und da frage ich mich schon, was die denken können. Um ehrlich zu sein, haben sie mir das sogar mitgeteilt. Da waren wenig nette Worte dabei. Und ich war ehrlicherweise überrascht, wie ernst diese Heranwachsenden den Schutz von behinderten Menschen nehmen. Oder wie wenig Sympathien sie zumindest mit Beamten der Bundespolizei haben.

Etwas nachdenklich machte mich auch der Dialog mit dem Beifahrer des Wagens. Der Fahrer war gerade in der Schlange vor dem Counter. Auf meinen Hinweis, dass er schon wisse, dass der Wagen auf einem Behindertenparkplatz parke, kam die Aussage, es sei nichts anderes frei gewesen. Das stimmte nun definitiv nicht, denn ich fand ja auch einen Parkplatz und es gab noch einige – eben nur ein paar Meter entfernt. Das lies er nicht gelten, denn – und nun kam das mega starke Gegenargument: «Dann kann ich jetzt auch nix machen».

Gut, vielleicht stimmte das. Denn ich weiß nicht, ob er einen Schlüssel hatte. Aber es kam mir derart peinlich vor, dass ich dem Herrn sagte, dass ich die Sachlage auch fotografiert habe und es an die zuständige Dienststelle twittern werde. Nun wurde er aktiver und sagte: «Da passen Sie mal gut auf, da haben sie ganz schnell eine Anzeige am Hals. Wenn man mich da erkennt.»

Aha, also doch nicht Hopfen und Malz verloren bei der Bundespolizei. Mit dem Recht am eigenen Bild hatte sich der Beamte also schonmal beschäftigt. Dummerweise nahm das scheinbar so viel Zeit ein, dass er Themen wie Nötigung außen vor lassen musste.

Nun, sei’s drum. Auf meinen Tweet bedankte sich die Bundespolizeidirektion Koblenz und versicherte mir, dass man der Sache nachgehen werde.

Es mag kleinlich klingen und vielleicht sogar altmodisch. Aber irgendwie finde ich, dass eine Vorbildfunktion von solchen Amtsträgern immer noch sehr groß ist. Und die Jugend von heute ist nicht mehr so obrigkeitshörig wie sie es einmal vor vielen, vielen Jahren war. Umso schlimmer, wenn so etwas passiert und eine Gruppe Jugendlicher sieht, wie gleichgültig dem Beamten der Bundespolizei es eigentlich ist, was er da gerade tut.

Auch das Selbstverständnis und das scheinbar fehlende Gespür der Beamten für diese Situation finde ich bedenklich. Ich frage mich, wie jemand, der diese Situation gesehen hat, reagieren wird, wenn er demnächst einen Strafzettel erhält, weil sein Parkticket seit fünf Minuten abgelaufen ist. Aber das eine Unrecht legitimiert ja nicht das nächste. So hoffe ich, dass die Beobachter klüger sind in ihrem Handeln als der Fahrzeugführer des  in Rede stehenden Wagens. Und ganz besonders hoffe ich, dass die Jugendlichen klüger sein werden – in ihrem ganzen Leben, am besten.


Natürlich habe ich die Pressestelle der Bundespolizei Koblenz um eine Stellungnahme gebeten. Dafür habe ich, wie immer bei Anfragen an Pressestellen, eine Frist von drei Tagen eingeräumt. Der Eingang wurde mir auch bestätigt, gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass man den Sachverhalt «akribisch prüfen» werde und erst dann die gestellten Fragen beantworten werde. Daher habe ich mich entschieden, den Beitrag nun erst einmal online zu stellen und die Reaktion der Pressestelle der Bundespolizei dann zu ergänzen, wenn sie mir vorliegt.


 

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