Markus Hof

Fotografieren verboten!

So, nun hat der Bundesgerichtshof eine Entscheidung getroffen. Das macht er öfter. Eigentlich fast immer, wenn man etwas von ihm hört.

Aktuell geht es um die Frage, ob es erlaubt ist, sogenannte «gemeinfreie Werke» zu fotografieren oder Bilder von ihnen einzuscannen. Konkret ging es um ein Portraitgemälde von Richard Wagner, das in einem Museum hängt.

Die Frage war, ob es erlaubt ist, Bilder aus dem gedruckten Ausstellungskatalog zu scannen und zu veröffentlichen (unter gemeinfreier Lizenz) bzw. ob es erlaubt ist, sie selbst zu fotografieren und dann zu veröffentlichen.

Die kurze Antwort: Beides verboten.

Die lange Antwort: Beides verboten, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Das Scannen aus dem Ausstellungskatalog ist wegen des sogenannten «Lichtbildschutzes» verboten. Der Fotograf müsse für das Bild einige Entscheidungen treffen, «wie Entscheidungen über eine Reihe von gestalterischen Umständen». Dazu zählen «Standort, Entfernung, Blickwinkel, Belichtung und Ausschnitt der Aufnahme». So sagt es die Pressemitteilung des BGH.

Das finde ich insoweit nachvollziehbar, dass sicherlich für einen Ausstellungskatalog nicht einfach nur geknipst wird. So schön ausdrücken hätte ich es sicher nicht können. Und ich habe so nun auch gelernt, dass es Abstufungen im Urheberrecht gibt und dass es eben diesen «Lichtbildschutz» gibt, wenn die Schöpfungshöhe nicht so ist, wie es für den großen Urheberrechtsschutz nötig ist.

Soweit, so gut und so einleuchtend.

Aber warum darf man dann sein eigenes Foto vom Kunstwerk nicht veröffentlichen? Denn der Urheberrechtsschutz des Werkes ansich ist 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers abgelaufen. Da es sich um Werke aus dem 17. und 19. Jahrhundert handelt, kann man davon ausgehen, dass dieser Zeitraum abgelaufen sein dürfte.

Das Museum hat aber ein Fotografierverbot ausgesprochen. Und mit dem Eintritt,  juristisch gesehen dem Vertragsschluss, hat man dies akzeptiert. Und dann darf man eben nicht einfach gegen den geschlossenen Vertrag verstoßen. Somit hat das Museum einen Unterlassungsanspruch, was bedeutet, auch diese Bilder dürfen nicht veröffentlicht werden.

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es in jedem Museum ein Verbot gibt zu fotografieren. Aber ehrlich gesagt, ist es doch etwas anderes, ein Foto von einem Kunstwerk zu sehen, im schlimmsten Fall über einen Computerbildschirm, statt es echt zu erleben. Dann kann man den Blickwinkel verändern, die Entfernung variieren und versuchen zu ergründen, was der Künstler uns sagen wollte.

Viel spannender – finde ich.


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