Markus Hof

Sale

Nehmen wir einmal an, man möchte eine Hose kaufen. Was wäre da wohl die schlechteste Zeit?

Es dürfte wohl am meisten los sein, wenn man Samstagnachmittag in einer deutschen Innenstadt so etwas einkaufen möchte. Allerdings gib es eine Krönung des Ganzen. Wahre Dramen spielen sich ab, wenn vor dem C&A Schilder stehen, die besagen, dass es auf reduzierte Ware nochmal wahnsinnige 75% Rabatt zusätzlich gibt.

Heute habe ich den Fehler gemacht, an einem Samstag gegen 14 Uhr eine Hose kaufen zu wollen. Ich übersah die Schilder und dachte zunächst, dass vielleicht Donald Trump einen Hosen-Handelskrieg mit Deutschland angefangen hat und es bald keine mehr gibt. War aber nicht so. Vielmehr war „Sale“ bei C&A und besagtes 75%-Angebot gab es noch oben drauf. Früher hieß „Sale“ „Winterschlussverkauf“ oder „Sommerschlussverkauf“. Aber „Sale“ ist viel kürzer, das kann man viel größer auf die Plakate drucken. Das ist dann richtig klasse.

Das nahmen die Menschen zum Anlass, in Scharen das Geschäft zu bevölkern. Es war wirklich bemerkenswert, noch nie vorher habe ich so viele Menschen zur gleichen Zeit in einem Kaufhaus gesehen. Ich schaute mich dann auch etwas um, aber sah dann die Schlangen an den Kassen. Damit war meine Entscheidung gefallen: Dieser „Sale“ muss ohne mich auskommen – das war nicht mehr meine Welt.

Schräg gegenüber besuchte ich dann den Karstadt. Es war etwas leerer als normal. Ich suchte eine Hose, probierte sie schnell an, denn es gab auch keine Wartezeiten vor den Kabinen. Ging zur Kasse ohne Schlange und war fertig.

So hab ich nicht wahnwitzig viel Geld gespart, beim „Sale“ – aber wahnsinnig viel Zeit. Meine Art, den „Sale“ zu nutzen.


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